Welche Add-Ons sind sinnvoll?

Die In-vitro-Fertilisation ist eine erprobte, wirksame Behandlung. Für die meisten Patientinnen und Patienten führt sie zum Ziel, ohne dass zusätzliche Verfahren nötig sind. Sogenannte «Add-ons» sind optionale Zusatzbehandlungen oder Tests, die ergänzend angeboten werden. Viele davon sind teuer und nicht ausreichend belegt. Wir haben die gängigen Add-ons – auch solche, die Sie anderswo angeboten bekommen könnten – in drei ehrliche Kategorien eingeteilt und sagen Ihnen offen, was wir einsetzen und warum.
 

Stufe 1 – Evidenzbasiert: was wir gezielt einsetzen

1. PGT-A – Chromosomen-Untersuchung der Embryonen

Bei der PGT-A prüfen wir vor dem Transfer, ob ein Embryo die normale Anzahl Chromosomen aufweist. Es ist ein Auswahlverfahren – es erzeugt keine gesunden Embryonen, sondern erkennt diejenigen mit Chancen auf eine Lebendgeburt. PGT-A ist in der Schweiz seit 2017 erlaubt, im Gegensatz etwa zu Deutschland oder Frankreich.
 

Zwei Punkte sind gut belegt: PGT-A senkt das Risiko einer Fehlgeburt, und bei Frauen ab 35 Jahren zeigt die Evidenz zunehmend, dass sie auch die Chance auf eine Lebendgeburt verbessert – weil der Anteil chromosomal auffälliger Eizellen mit dem Alter steigt. Bei jüngeren Frauen bringt PGT-A keinen Vorteil, weshalb wir sie bei Frauen unter 35 nicht routinemässig einsetzen. Für Patientinnen über 35 kann PGT-A zudem erfolglose Transfers vermeiden und den Weg zur Schwangerschaft (time to pregnancy) verkürzen. Ob PGT-A zu Ihrer Situation passt, besprechen wir individuell mit Ihnen.

2. Freeze-all – Verschieben des Embryotransfers

In bestimmten Situationen – etwa bei Risiko einer Überstimulation oder wenn die Hormonwerte am Ende der Stimulation einen Frischtransfer ungünstig erscheinen lassen – frieren wir alle Embryonen ein und übertragen sie in einem späteren, natürlicheren Zyklus. Aus diesen medizinischen Gründen ist das gut belegt. Es ist aber kein allgemeiner «Booster»; für die meisten Patientinnen ist ein Frischtransfer ebenso gut, daher wenden wir Freeze-all nicht pauschal an.

3. ICSI – bei reduzierter Spermienqualität

Bei eingeschränkter Spermienqualität ist die direkte Injektion eines Spermiums in die Eizelle (ICSI) bewiesenermassen sinnvoll oder gar unverzichtbar. Unser erfahrenes Biologenteam erreicht dank ICSI die schweizweit höchsten Befruchtungsraten, weshalb wir sie nahezu routinemässig einsetzen. Wir legen aber Wert darauf, für die ICSI keinen Aufpreis zu verlangen. In der spezifisch schweizerischen Situation, in welcher die Paare die Behandlung selber bezahlen, finden fast alle Schweizer IVF-Teams die grosszügige Anwendung der ICSI sinnvoll (CH-Durchschnitt: 84%), weil so das Risiko einer völlig fehlenden Befruchtung nach Standard-IVF von immerhin 5-10% vermieden wird.
 

Stufe 2 – Nicht ausreichend belegt, bieten wir nicht an

Bei diesen Verfahren ist die Evidenz widersprüchlich, schwach oder fehlend.

  • EmbryoGlue (hyaluronsäurehaltiges Medium beim Embryotransfer) – Evidenz mittlerer Qualität zeigt einen kleinen Vorteil punkto Lebendgeburten bei Frischtransfers, nicht aber bei Transfers aufgetauter (gefrorener) Embryonen (was bei uns deutlich häufiger vorkommt). Wir warten weitere Daten ab.
  • Endometrium-«Scratching» – grosse Studien zeigen keinen Nutzen
  • Time-Lapse-Inkubatoren – verbessern Chance auf Lebendgeburt nicht
  • IMSI
  • Intralipid-Infusionen
  • DHEA-/Androgen-Gabe
  • Spermien-DNA-Fragmentierungstest
  • pICSI – Daten zeigen keinen Nutzen

Die künstliche Eizellaktivierung setzen wir nur bei klarer Indikation ein (z. B. nach vorausgegangenem Befruchtungsversagen).
 

Stufe 3 – Nicht empfohlen, bieten wir nicht an

Bei diesen Verfahren zeigt die Evidenz keinen Nutzen und teils mögliche Risiken oder Sicherheitsbedenken.

  • Endometrium-Rezeptivitätstest (ERA) – Studien zeigen keinen Nutzen, möglichen Schaden
  • Intravenöse Immunglobuline (IVIG)
  • Kortikosteroide ausser bei ausgewählten Patientinnen
  • Plättchenreiches Plasma (PRP)

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –