Häufige Beschwerden und Komplikationen in der Schwangerschaft

Häufige Beschwerden und Komplikationen in der Schwangerschaft

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Eine Schwangerschaft verläuft meistens unkompliziert. Trotzdem treten unterwegs manche Beschwerden und Komplikationen häufig auf – die einen früh, die anderen erst gegen Ende. Hier finden Sie die wichtigsten im zeitlichen Verlauf. Das Beruhigende vorweg: Wir erkennen sie bei den Vorsorgekontrollen früh, behandeln das meiste selbst und weisen Sie nur dann an eine Klinik weiter, wenn es nötig ist.
Übelkeit, oft mit Erbrechen, gehört zu den häufigsten Beschwerden der frühen Schwangerschaft – rund zwei von drei Frauen kennen sie. Sie beginnt meist um die 6. Woche, erreicht ihren Höhepunkt im ersten Drittel und lässt in der Regel bis zur 12. bis 16. Woche nach. Oft helfen schon kleine, häufige Mahlzeiten, Ingwer und das Meiden von Auslösern; reicht das nicht, gibt es gut verträgliche Mittel (Vitamin B6 mit Doxylamin, bei Bedarf weitere Medikamente). In seltenen Fällen ist die Übelkeit so stark, dass es zu Gewichtsverlust und Austrocknung kommt (Hyperemesis gravidarum) – dann behandeln wir gezielt, manchmal mit Infusionen oder kurz in der Klinik. Dem Kind schadet die Übelkeit in aller Regel nicht.
In der zweiten Schwangerschaftshälfte steigt der Eisenbedarf stark, weil sich Ihr Blutvolumen vergrössert und das Kind mitversorgt wird. Ein Eisenmangel ist deshalb häufig und macht sich oft durch Müdigkeit, Blässe oder Schwindel bemerkbar. Wir kontrollieren Ihre Eisenwerte (Ferritin und Blutfarbstoff) im Rahmen der Vorsorge. Behandelt wird zuerst mit Eisen-Tabletten; werden diese schlecht vertragen oder ist der Mangel ausgeprägt, hilft eine Eisen-Infusion rasch und zuverlässig.
Etwa um die 24. bis 28. Woche kann sich ein Schwangerschaftsdiabetes entwickeln – eine vorübergehende Form von erhöhtem Blutzucker, die meist keine Beschwerden macht. Wir suchen ihn deshalb gezielt mit einem Zuckerbelastungstest. Er ist häufig und in den allermeisten Fällen gut in den Griff zu bekommen; alles Weitere lesen Sie auf unserer Seite → «Gestationsdiabetes».
Von einer Frühgeburt spricht man bei einer Geburt vor 37 vollendeten Wochen. Melden Sie sich bitte rasch bei uns oder in der Klinik, wenn Sie vorher regelmässige, schmerzhafte Wehen, einen anhaltenden Druck nach unten, Blutungen oder Fruchtwasserabgang bemerken. Wir beurteilen die Länge des Gebärmutterhalses im Ultraschall; ist er verkürzt, kann Progesteron (als Scheidenzäpfchen) das Risiko senken. Droht tatsächlich eine Frühgeburt, weisen wir Sie an eine Klinik mit Neugeborenen-Abteilung zu – dort lassen sich die Wehen oft hinauszögern und die Lunge des Kindes mit einer Spritze gezielt reifen. Beruhigend: Nicht jede Wehe ist ein Zeichen für eine Frühgeburt, ein gewisses Ziehen gehört dazu.
Die Präeklampsie ist eine schwangerschaftsbedingte Form von Bluthochdruck, die nach der 20. Woche auftritt und mit Eiweiss im Urin einhergeht. Warnzeichen sind starke Kopfschmerzen, Sehstörungen (Flimmern, verschwommenes Sehen), Schmerzen im Oberbauch und plötzliche Schwellungen im Gesicht oder an den Händen. Deshalb messen wir bei jeder Vorsorgekontrolle Ihren Blutdruck und untersuchen den Urin. Schon beim Ultraschall im ersten Drittel (rund 11. bis 14. Woche) schätzen wir Ihr persönliches Präeklampsie-Risiko ab (mehr dazu → «Ersttrimestertest und Nackentransparenz»). Zeigt sich ein erhöhtes Risiko, beugen wir mit niedrig dosiertem Aspirin ab etwa der 12. Woche vor – das senkt die Häufigkeit einer Präeklampsie deutlich (ASPRE-Studie). Bei einem schweren Verlauf ist die Geburt die einzige ursächliche Behandlung; dann weisen wir Sie an die Klinik zu.
Gegen Ende liegt das Kind normalerweise mit dem Kopf nach unten. Bei etwa 3 bis 4 von 100 Kindern ist das am Termin nicht der Fall – sie liegen mit dem Po oder den Füssen voran (Beckenendlage). Um die 37. Woche kann man versuchen, das Kind von aussen sanft mit den Händen zu drehen (äussere Wendung); das gelingt in rund der Hälfte der Fälle, und dafür weisen wir Sie an eine Klinik zu. Bleibt das Kind in Beckenendlage, besprechen wir die Geburt: meist ein geplanter Kaiserschnitt, in ausgewählten Fällen auch eine vaginale Geburt aus Beckenendlage.
So unterschiedlich diese Themen sind – das meiste ist gut behandelbar, und vieles bemerken wir bei den Kontrollen, bevor Sie selbst etwas spüren. Bei Warnzeichen wie starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Blutungen, vorzeitigen Wehen oder Fruchtwasserabgang melden Sie sich bitte umgehend bei uns. Wir begleiten Sie durch die Schwangerschaft und sorgen dafür, dass Sie im richtigen Moment am richtigen Ort sind.
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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –