Brustgesundheit und Mammografie

Brustgesundheit und Mammografie

Was Sie und was wir tun können
Die Brust gehört zu den wenigen Organen, die Sie selbst spüren und die wir gemeinsam gut im Blick behalten können. Brustkrebs ist zwar die häufigste Krebserkrankung der Frau (Krebsliga) – dank der heutigen Therapien aber meist gut behandelbar und, gerade bei früher Entdeckung, nur noch selten tödlich. Die allermeisten Veränderungen, die Frauen bei sich bemerken, sind ohnehin harmlos. Und wenn doch einmal etwas Ernsteres dahintersteckt, gilt: je früher wir es finden, desto schonender und erfolgreicher lässt es sich behandeln.
Lange wurde Frauen die monatliche Selbstuntersuchung nach festem Schema empfohlen. Heute wissen wir aus grossen Studien, dass dieses starre Ritual die Sterblichkeit an Brustkrebs nicht senkt, dafür aber zu vielen gutartigen Abklärungen und unnötiger Sorge führt (Thomas et al. 2002). Was wirklich zählt, ist Brustbewusstsein: Ihre Brust so zu kennen, wie sie sich normalerweise anfühlt – damit Ihnen eine Veränderung auffällt. Sie müssen also keinen Kalender führen. Wenn Ihnen etwas Neues auffällt, melden Sie sich einfach bei uns.
Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust mit sehr niedriger Strahlendosis. Die Belastung ist so gering, dass der Nutzen der Früherkennung das geringe Risiko klar überwiegt (Krebsliga). Die Brust wird dabei kurz zwischen zwei Platten zusammengedrückt – das ist für einen Moment unangenehm, aber schnell vorbei. Sie kann Veränderungen sichtbar machen, lange bevor man sie tasten könnte. Regelmässige Mammografie senkt die Sterblichkeit an Brustkrebs deutlich – um rund ein Fünftel bei eingeladenen, um rund ein Drittel bei tatsächlich teilnehmenden Frauen (Dibden et al. 2020).
In den Kantonen mit einem Früherkennungsprogramm werden Frauen von 50 bis 69 alle zwei Jahre zur Mammografie eingeladen (Krebsliga). Als Richtwert gilt: Solange alles unauffällig ist, genügt die Mammografie alle zwei Jahre – bei auffälligen Befunden oder erhöhtem Risiko kontrollieren wir engmaschiger. Neu empfehlen die Schweizer Fachgesellschaften, bereits ab 45 Jahren zu beginnen, weil Brustkrebs zunehmend auch jüngere Frauen trifft (SGR-SSR, SGGG & SGS 2026). Bei familiärer Vorbelastung kann ein noch früherer Start sinnvoll sein – das besprechen wir individuell.
Ein wichtiger Hinweis für unsere Region: Der Kanton Zürich hat derzeit kein organisiertes Screening-Programm. Das heisst, Sie werden hier nicht automatisch eingeladen, sondern müssen selbst aktiv werden – wir helfen Ihnen gerne, den richtigen Zeitpunkt und Weg zu finden. Zu den Kosten: Innerhalb eines Programms ist die Mammografie von der Franchise befreit, es bleibt nur der Selbstbehalt von 10 Prozent. Ausserhalb eines Programms – also auch bei uns in Zürich – übernimmt die Grundversicherung die reine Früherkennungs-Mammografie nicht; bei familiärer Belastung oder konkretem Verdacht zahlt sie hingegen, wobei die Franchise belastet wird (Krebsliga).
Wir möchten ehrlich sein, damit Sie gut entscheiden können. Der Nutzen ist real: Brustkrebs wird früher und in kleineren Stadien gefunden. Gleichzeitig hat das Screening Grenzen. Manchmal fällt ein Befund auf, der sich nach weiterer Abklärung als harmlos herausstellt – das verunsichert, ist aber häufig. Und ein Teil der entdeckten Tumore wäre zu Lebzeiten nie gefährlich geworden (sogenannte Überdiagnose); Schätzungen gehen von etwa einer von sieben über das Screening entdeckten Krebserkrankungen aus (Ryser et al. 2022). Unter dem Strich überwiegt für die meisten Frauen der Nutzen – aber die Entscheidung treffen Sie, und wir ordnen das gern mit Ihnen ein.
Beim Jahrestermin tasten wir Ihre Brust ab. Bei Bedarf schliessen wir gleich in der Sprechstunde einen Ultraschall an und veranlassen, wenn nötig, ergänzend ein MRI. Die meisten auffälligen Befunde sind gutartig; zur Klärung können wir direkt bei uns in örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe (Stanzbiopsie) entnehmen. Gutartige Veränderungen wie Zysten oder Fibroadenome kontrollieren wir selbst weiter. Nur wenn sich eine Krebsvorstufe oder ein Brustkrebs bestätigt, weisen wir Sie an ein spezialisiertes Brustzentrum weiter – und bleiben als Ihre vertraute Anlaufstelle an Ihrer Seite.
Hatten nahe Verwandte (Mutter, Schwester) Brust- oder Eierstockkrebs, besonders in jungen Jahren, kann Ihr persönliches Risiko erhöht sein. Dann beginnen wir die Früherkennung früher und engmaschiger, oft ergänzt durch ein MRI, und besprechen, ob eine genetische Beratung sinnvoll ist. Sprechen Sie uns an, wenn Ihnen Ihre Familiengeschichte Sorgen macht – gemeinsam finden wir das richtige Mass.
Bitte warten Sie nicht auf den nächsten Routine-Termin, wenn Ihnen etwas auffällt: ein neuer Knoten, eine Einziehung oder Veränderung der Haut, eine eingezogene oder nässende Brustwarze, Absonderungen aus der Brustwarze oder anhaltende, einseitige Schmerzen. Das ist meistens harmlos – aber wir schauen es gern zeitnah an.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –