Vertrauen Sie unserem Konzept

Wenn eine Schwangerschaft mehrmals früh abgeht oder gut entwickelte Embryonen sich nicht einnisten wollen, ist das eine schwere Last – körperlich und vor allem seelisch. Zwei Dinge möchten wir Ihnen gleich zu Beginn mitgeben. Erstens: Die allermeisten Paare bekommen am Ende ihr Kind, auch nach mehreren Rückschlägen. Und zweitens: Bei wiederholten Rückschlägen suchen wir systematisch nach Ursachen – ehrlich, in Ruhe und ohne falsche Versprechungen. Dabei trennen wir klar, was wirklich belegt ist, von dem, was noch experimentell ist.

Worum es geht

Von wiederholten Fehlgeburten (Fachbegriff RPL, «recurrent pregnancy loss») spricht man – je nach Definition – ab zwei oder drei frühen Schwangerschaftsverlusten. Von einem wiederholten Einnistungsversagen (RIF, «recurrent implantation failure») spricht man, wenn sich auch nach mehreren Übertragungen gut entwickelter Embryonen keine Schwangerschaft einstellt. Beides ist häufiger, als man denkt – und oft findet sich keine einzelne klare Ursache. Das ist frustrierend, bedeutet aber nicht, dass es keinen Weg gibt.

Die häufigste Ursache: das Erbgut des Embryos

Der mit Abstand wichtigste Faktor ist das Erbgut des Embryos. Je älter die Eizelle, desto häufiger hat ein Embryo die falsche Chromosomenzahl und kann sich nicht weiterentwickeln – er nistet sich nicht ein oder geht früh wieder verloren. Das ist kein «Abstossen» durch den Körper der Mutter, sondern eine natürliche Auslese. Eine Präimplantationsdiagnostik (PID/PGT-A) kann die Chromosomen der Embryonen vor dem Transfer prüfen und so helfen, den aussichtsreichsten auszuwählen (mehr dazu → «Präimplantationsdiagnostik»). Es ist uns wichtig, das offen zu sagen: Gerade mit zunehmendem Alter liegt die Ursache weit häufiger beim Embryo als bei einer «Abwehr» der Gebärmutter.

Was wir abklären

Bei wiederholten Rückschlägen klären wir die wichtigsten behandelbaren Ursachen ab – vieles davon direkt bei uns in der Praxis:

  • Gerinnung und Antiphospholipid-Syndrom. Mit einer Blutuntersuchung suchen wir gezielt nach dem Antiphospholipid-Syndrom (APS) – einer Autoimmun-Störung der Blutgerinnung, die wiederholte Fehlgeburten verursachen kann und gut behandelbar ist (mit Aspirin und blutverdünnenden Spritzen). Eine breite Suche nach erblichen Gerinnungsstörungen (etwa Faktor-V-Leiden oder MTHFR) führen wir dagegen nicht mehr routinemässig durch: Hier zeigt sich kein klarer Zusammenhang mit Fehlgeburten, und ein auffälliges Ergebnis hätte meist keine Behandlungsfolge (ESHRE).
  • 3D-Ultraschall der Gebärmutter. Mit einer dreidimensionalen Ultraschalluntersuchung beurteilen wir die Form der Gebärmutterhöhle. Eine angeborene Fehlbildung wie eine Trennwand (Septum) lässt sich so zuverlässig erkennen und bei Bedarf operativ korrigieren.
  • Gebärmutterschleimhaut-Probe (Pipelle). Mit einem dünnen Röhrchen entnehmen wir in der Sprechstunde eine kleine Schleimhautprobe – das geht rasch und ohne Narkose. Damit suchen wir nach einer stillen Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (chronische Endometritis), die man an bestimmten Abwehrzellen (Plasmazellen) erkennt. Findet sich eine, lässt sie sich einfach mit Antibiotika behandeln (ESHRE).
  • Schilddrüse und Hormone. Eine Schilddrüsenstörung oder bestimmte Schilddrüsen-Antikörper können Fehlgeburten begünstigen; beides prüfen wir im Blut und behandeln es bei Bedarf einfach mit Tabletten.
  • Erbgut der Eltern. In ausgewählten Fällen untersuchen wir zusätzlich die Chromosomen beider Partner, da sich Auffälligkeiten manchmal über die Generationen weitergeben.

Was wir behandeln können

Was sich findet, behandeln wir gezielt: ein Antiphospholipid-Syndrom mit Aspirin und blutverdünnenden Spritzen, eine chronische Endometritis mit Antibiotika, eine Schilddrüsenstörung mit Hormonen, eine Trennwand in der Gebärmutter mit einer kleinen Operation (für die wir Sie an ein spezialisiertes Zentrum überweisen). In bestimmten Fällen unterstützen wir die frühe Schwangerschaft zusätzlich mit Gelbkörperhormon (Progesteron).

Und wenn sich keine fassbare Ursache zeigt? So schwer das auszuhalten ist – oft ist es sogar eine gute Nachricht. Es bedeutet, dass kein dauerhaftes Hindernis vorliegt, und die Chance, dass der nächste Versuch gelingt, bleibt auch dann hoch.

Die seelische Seite

Wiederholte Verluste oder erfolglose Versuche zehren an den Kräften, an der Zuversicht und manchmal auch an der Beziehung. Sie müssen das nicht allein durchstehen. Wir begleiten Sie nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich, und vermitteln bei Bedarf weitere Unterstützung (mehr dazu → «Die seelische Seite des Kinderwunsches»).

Weitere Beiträge 
zu diesem Thema

Keine Beiträge gefunden.

Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –