Ein bewegendes Ereignis

Die Geburt ist ein grosses, bewegendes Ereignis – und es ist ganz normal, ihr mit einer Mischung aus Vorfreude und Respekt entgegenzusehen. Die Geburt selbst findet in der Klinik statt, an die wir Sie zuweisen; dort sind Sie rund um die Uhr von einem erfahrenen Team begleitet. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie eine Geburt abläuft, was eine Einleitung bedeutet und welche Möglichkeiten der Schmerzlinderung es gibt – damit Sie informiert und ein wenig gelassener hineingehen können. Ein Rat vorweg: Gehen Sie ohne allzu feste Vorsätze in die Geburt. Viele Frauen erleben sie ganz anders als erwartet – das muss nichts Schlechtes heissen.

Wann es Zeit ist, in die Klinik zu fahren

Zwei Zeichen sagen Ihnen, dass es so weit ist: regelmässige, kräftige Wehen – sie kommen etwa alle drei bis fünf Minuten und sind so stark, dass Sie während der Wehe nicht mehr sprechen können – oder ein Blasensprung, bei dem Fruchtwasser abgeht. Gerade beim ersten Kind ist es nicht immer leicht, Vorwehen von echten Geburtswehen zu unterscheiden. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie jederzeit in der Klinik an; die diensthabende Hebamme sagt Ihnen, ob Sie kommen sollen.

Die drei Phasen einer Geburt

Eine Geburt verläuft in drei Phasen. In der Eröffnungsphase öffnet sich der Muttermund nach und nach bis auf etwa zehn Zentimeter – das ist meist der längste Teil. In der Austreibungsphase schieben die Presswehen das Kind durch den Geburtsweg, bis es geboren ist. In der Nachgeburtsphase löst sich schliesslich der Mutterkuchen (die Plazenta) und wird ausgestossen. Wie lange das dauert, ist von Frau zu Frau sehr verschieden – beim ersten Kind in der Regel länger als bei späteren.

Die Geburtseinleitung

Manchmal ist es besser, die Geburt nicht abzuwarten, sondern sanft in Gang zu bringen – das nennt man Einleitung. Falls das bei Ihnen zur Sprache kommt: Eine Einleitung ist heute etwas ganz Gewöhnliches. In der Schweiz wird rund ein Drittel der Geburten eingeleitet, mit steigender Tendenz. Sie müssen also keine Angst davor haben.

Dass häufiger eingeleitet wird, hat gute Gründe: Werdende Mütter sind heute im Schnitt älter und bringen öfter gesundheitliche Themen mit – und es gibt inzwischen gute Belege, dass eine Einleitung zum richtigen Zeitpunkt sogar Vorteile haben kann. Eine grosse Studie zeigte, dass eine Einleitung um die vollendete 39. Woche bei unkomplizierten Schwangerschaften die Kaiserschnittrate eher senkt als erhöht, ohne Nachteil für das Kind (ARRIVE-Studie).

Typische Gründe für eine Einleitung sind: eine deutliche Überschreitung des Termins (in der Regel ab etwa 41 Wochen), ein vorzeitiger Blasensprung ohne nachfolgende Wehen, ein Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck oder eine Präeklampsie sowie Auffälligkeiten beim Wachstum oder bei der Fruchtwassermenge.

Eingeleitet wird Schritt für Schritt: Zuerst wird der Muttermund mit einem Medikament (Gel oder Tablette) oder einem kleinen Ballonkatheter «reif» gemacht, dann werden über einen Tropf die Wehen angeregt und – wenn möglich – die Fruchtblase eröffnet. Das kann etwas Geduld brauchen, gerade beim ersten Kind; das Team ist die ganze Zeit bei Ihnen.

Möglichkeiten der Schmerzlinderung

Geburtswehen sind schmerzhaft, und niemand kann vorhersagen, wie gut sie sich ertragen lassen. Wichtig ist: Sie entscheiden, ob und wann Sie eine Schmerzlinderung möchten – es gibt keinen Preis für möglichst viel Aushalten. Sagen Sie es der Hebamme rechtzeitig, dann bleibt genug Zeit. Zur Auswahl stehen mehrere Wege:

  • Ohne Medikamente: Bewegung, ein warmes Bad, Atem- und Entspannungstechniken und das Wechseln der Position lindern die Schmerzen oft spürbar.
  • Lachgas: Sie atmen es bei Bedarf selbst ein; es wirkt rasch und ist gut steuerbar.
  • Eine selbst gesteuerte Schmerzpumpe: Über einen Knopf geben Sie sich bei Bedarf eine kleine Dosis eines kurz wirksamen Schmerzmittels (Opioid) in die Vene – so behalten Sie die Kontrolle.
  • Die Periduralanästhesie (PDA): die wirksamste Schmerzlinderung. Über einen feinen Katheter im Rücken wird der Schmerz gezielt ausgeschaltet. Dank moderner, niedrig dosierter Medikamente spüren Sie Ihre Beine weiterhin und können sich oft sogar etwas bewegen.

Wer Sie begleitet

Während der Geburt sind Sie nicht allein. Die Hebamme begleitet Sie durchgehend, unterstützt Sie und leitet eine normale Geburt eigenständig. Die Ärztin oder der Arzt überwacht den Verlauf und greift dann ein, wenn ein Eingriff nötig wird. Für die PDA kommt eine Fachperson der Anästhesie dazu. Und sobald Ihr Kind geboren ist, wird es Ihnen wenn immer möglich direkt auf die Haut gelegt – dieser erste Hautkontakt (das «Bonding») ist das Ziel und tut Mutter und Kind gut. Nur wenn Ihr Kind zuerst Unterstützung braucht, kümmert sich die Kinderärztin oder der Kinderarzt darum und bringt es Ihnen, sobald es möglich ist.

Wenn Unterstützung nötig wird

Manchmal braucht die letzte Phase etwas Hilfe. Ein Dammschnitt wird heute nicht mehr routinemässig gemacht, sondern nur, wenn er dem Kind oder dem Schutz des Damms wirklich dient. Werden die Herztöne des Kindes langsamer oder ist die Mutter erschöpft, kann die Geburt mit einer Saugglocke (selten einer Zange) schonend beendet werden – davor müssen Sie keine Angst haben, das gehört zum geübten Handwerk der Geburtshilfe. Und wenn eine vaginale Geburt nicht sicher möglich ist, wird daraus ein Kaiserschnitt (mehr dazu → «Spontangeburt oder Kaiserschnitt?»).

Sie sind gut aufgehoben

Sie müssen nicht alles im Voraus wissen oder planen. Unsere Aufgabe ist, Sie während der Schwangerschaft vorzubereiten, Ihre Fragen zu beantworten und dafür zu sorgen, dass Sie sich in der Klinik gut aufgehoben fühlen. Und falls Sie Angst vor der Geburt haben: Sprechen Sie uns an – wir nehmen das ernst und gehen es gemeinsam an.

Weitere Beiträge 
zu diesem Thema

Keine Beiträge gefunden.

Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –