Eine natürliche Lebensphase

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Lebensphase – auch wenn sie sich manchmal nicht so anfühlen. Wenn die Eierstöcke nach und nach weniger Östrogen bilden, kann das spürbare Beschwerden auslösen. Die gute Nachricht: Dagegen lässt sich viel tun, und wir finden gemeinsam den Weg, der zu Ihnen passt – von einfachen Massnahmen bis zur Hormontherapie. Sie müssen da nicht einfach durch.

Was in den Wechseljahren passiert

Die Wechseljahre beginnen mit der Perimenopause – einer Übergangsphase, die oft schon viele Jahre vor der letzten Regelblutung (der eigentlichen Menopause) einsetzt. Gerade Schlafstörungen gehören zu den ersten Anzeichen. Schon in dieser frühen Phase können die Beschwerden belasten, und manchmal ist bereits dann eine Hormontherapie sinnvoll. Die Diagnose stellen wir meist anhand Ihrer Beschwerden und Ihres Zyklus – ein Bluttest ist nur selten nötig.

Der sinkende Östrogenspiegel macht sich vor allem in vier Bereichen bemerkbar:

  • Vasomotorisch: Hitzewallungen und Schweissausbrüche – die typischsten Beschwerden. Sie dauern im Durchschnitt rund siebeneinhalb Jahre, bei manchen Frauen länger (SGGG, Expertenbrief Nr. 90).
  • Urogenital: Scheidentrockenheit, Brennen, Beschwerden beim Wasserlassen oder beim Sex.
  • Ossär (Knochen): Die Knochendichte nimmt ab, das Risiko für Osteoporose steigt.
  • Psychisch: Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, manchmal Wortfindungsstörungen («Brain Fog»).

Wie stark diese Beschwerden sind, ist von Frau zu Frau sehr verschieden – und genau danach richtet sich die Behandlung.

Verhütung nicht vergessen

Solange Sie noch gelegentlich Ihre Tage haben, können Sie schwanger werden – die Wechseljahre schützen nicht von einem Tag auf den anderen. Wichtig: Eine Hormonersatztherapie ist keine Verhütung. Wenn Sie sicher verhüten möchten, besprechen wir die passende Methode für diese Lebensphase (mehr dazu → «Verhütung»).

Drei Säulen der Behandlung

Wir behandeln nicht «die Wechseljahre», sondern Ihre Beschwerden – und dafür stehen drei Säulen zur Verfügung, die wir je nach Situation einzeln oder kombiniert einsetzen. Nicht jede Frau braucht Hormone.

Säule 1 – Alternativ- und Komplementärtherapie. Vieles beginnt mit dem, was Sie selbst beeinflussen können: Bewegung, ausgewogene Ernährung und ein gesundes Gewicht tun Ihrem allgemeinen Wohlbefinden, dem Schlaf und den Knochen gut – auch wenn sie die Hitzewallungen selbst nicht zuverlässig senken. Pflanzliche Mittel wie Cimicifuga (Traubensilberkerze) oder Mikronährstoffe (z. B. Vitamin B6) helfen manchen Frauen, die Datenlage ist hier aber uneinheitlich (SGGG, Expertenbrief Nr. 51). Am besten belegt unter den nicht-medikamentösen Ansätzen ist die kognitive Verhaltenstherapie: Sie lindert nachweislich Hitzewallungen und Schlafprobleme (Ye et al. 2022).

Säule 2 – Nicht-hormonelle Pharmakotherapie. Wenn Hormone nicht gewünscht oder nicht möglich sind, gibt es wirksame nicht-hormonelle Medikamente: Bestimmte Antidepressiva (SSRI/SNRI) und Gabapentin können Hitzewallungen deutlich reduzieren (SGGG, Expertenbrief Nr. 51); mit den Neurokinin-Antagonisten gibt es zudem eine neue Wirkstoffklasse gezielt gegen Hitzewallungen (Wojciechowski et al. 2026). Melatonin kann den Schlaf unterstützen.

Säule 3 – Hormontherapie. Die dritte Säule umfasst die systemische Hormontherapie (Östrogen, bei erhaltener Gebärmutter kombiniert mit einem Gestagen) und die lokale vaginale Östrogentherapie für Beschwerden im Intimbereich. Bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden ist sie die wirksamste Behandlung (SGGG, Expertenbrief Nr. 90) – ihr widmen wir den nächsten Abschnitt ausführlich.

Wann eine Hormontherapie sinnvoll ist

Eine Hormontherapie braucht immer einen Grund und wird individuell auf Sie zugeschnitten. Die wichtigsten Anlässe sind belastende Wechseljahresbeschwerden, ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche – und besonders eine früh einsetzende Menopause (dazu unten mehr). Vor dem Start besprechen wir in Ruhe Nutzen und Risiken für Ihre persönliche Situation.

Das «günstige Fenster»: auf den Zeitpunkt kommt es an

Entscheidend ist der Zeitpunkt. Beginnt die Hormontherapie innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Menopause oder vor dem 60. Lebensjahr, überwiegt der gesundheitliche Nutzen insgesamt die möglichen Risiken (SGGG, Expertenbrief Nr. 90). Anders als früher angenommen gibt es kein starres Zeitlimit – die Therapie muss nicht nach fünf Jahren beendet werden. Stattdessen schauen wir einmal im Jahr gemeinsam, ob sie noch zu Ihnen passt.

Wie wir die Therapie auswählen

Wir verwenden bevorzugt Östrogen über die Haut (als Pflaster oder Gel) – das belastet im Vergleich zur Tablette die Gefässe weniger und erhöht das Thromboserisiko nicht. Dazu setzen wir körperidentische Hormone ein, also solche, die den körpereigenen entsprechen. Haben Sie noch eine Gebärmutter, gehört zum Östrogen immer ein Gestagen (mikronisiertes Progesteron oder eine Hormonspirale), um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen; nach einer Gebärmutterentfernung genügt Östrogen allein. Wir wählen stets die niedrigste Dosis, die Ihre Beschwerden zuverlässig lindert.

Was die Hormontherapie sonst noch bringt – und was nicht

Neben Hitzewallungen bessert die Hormontherapie oft auch Schlaf und Stimmung, und sie schützt die Knochen, indem sie den Knochenabbau bremst und das Risiko für Brüche senkt (mehr dazu weiter unten unter «Knochengesundheit»). Eine verbreitete Sorge gleich vorweg: Eine Hormontherapie führt zu keiner Zunahme des Körpergewichts (SGGG, Expertenbrief Nr. 90). Wichtig ist uns aber die ehrliche Abgrenzung: Eine Hormontherapie ist keine Vorbeugung gegen Herzinfarkt oder Demenz – dafür wird sie nicht eingesetzt.

Und die Risiken? Ehrlich eingeordnet

Damit Sie gut entscheiden können, sprechen wir die Risiken offen an. Sie sind insgesamt klein und hängen stark von Form und Zeitpunkt ab:

  • Brustkrebs: Die kombinierte Hormontherapie geht mit einem leicht erhöhten Risiko einher – in einer Grössenordnung, die etwa zwei Gläsern Alkohol pro Tag, Übergewicht oder Bewegungsmangel entspricht (SGGG, Expertenbrief Nr. 90). Östrogen allein (nach Gebärmutterentfernung) erhöht das Risiko nicht; in grossen Studien war es sogar tiefer.
  • Thrombose und Schlaganfall: Dieses Risiko betrifft vor allem die Tablettenform. Über die Haut ist es nach heutigem Wissen nicht erhöht – ein Hauptgrund, warum wir diese Form bevorzugen.
  • Gebärmutterschleimhaut: Ohne Gestagenschutz würde Östrogen das Risiko für Wucherungen erhöhen – deshalb der kombinierte Ansatz bei erhaltener Gebärmutter.

Nach durchgemachtem Brustkrebs wird eine systemische Hormontherapie in der Regel nicht empfohlen. Und bei deutlich erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko klären wir das vorher gemeinsam mit der Kardiologie ab.

Scheidentrockenheit: oft genügt eine lokale Therapie

Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Brennen oder wiederkehrende Blasenentzündungen lassen sich sehr gut mit einer lokalen Östrogentherapie behandeln – als Creme oder Zäpfchen direkt vor Ort. Sie wirkt dort, wo sie soll, gelangt kaum in den Körper und ist deshalb sehr sicher: Sie ist auch dann möglich, wenn eine systemische Hormontherapie für Sie nicht infrage kommt.

Lust und Sexualität

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren ein nachlassendes sexuelles Verlangen – das hat hormonelle, aber auch körperliche und seelische Gründe. Oft hilft schon die Behandlung der Scheidentrockenheit oder die systemische Hormontherapie. Reicht das nicht und ist der Leidensdruck gross, kann in ausgewählten Fällen zusätzlich Testosteron über die Haut (transdermal) erwogen werden. In der Schweiz ist dafür kein Präparat eigens zugelassen, weshalb wir es individuell verschreiben und Nutzen wie Grenzen offen mit Ihnen besprechen. Sprechen Sie uns an – Sexualität gehört selbstverständlich ins Gespräch.

Knochengesundheit: den Knochen stark halten

In den Wechseljahren beschleunigt der Östrogenmangel den Knochenabbau – das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt, oft ohne dass man etwas davon spürt. Die gute Nachricht: Sie können einiges selbst tun, und wir behalten Ihre Knochen im Blick.

Am wichtigsten sind Bewegung und Ernährung. Regelmässige Belastung – Spazieren, Wandern, Krafttraining – regt den Knochen an, stärker zu werden. Achten Sie auf genügend Kalzium (etwa über Milchprodukte, grünes Gemüse oder kalziumreiches Mineralwasser) und auf Vitamin D, das der Körper im Winter kaum selbst bildet; hier lohnt sich oft eine Ergänzung. Nicht rauchen und Alkohol massvoll halten schützt den Knochen zusätzlich.

Ob eine Knochendichtemessung (DXA) sinnvoll ist, entscheiden wir gemeinsam – vor allem bei erhöhtem Risiko, etwa nach einem Knochenbruch ohne grossen Anlass, bei früher Menopause, bei bestimmten Medikamenten (z. B. Kortison) oder bei Osteoporose in der Familie. In diesen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Messung.

Eine Hormontherapie bremst den Knochenabbau wirksam und ist gerade bei früher Menopause auch zum Schutz der Knochen sinnvoll. Ist bereits eine Osteoporose festgestellt, gibt es zusätzlich gezielte Medikamente, die den Knochen kräftigen – wir besprechen dann, was zu Ihnen passt.

Wenn die Wechseljahre früh kommen

Setzen die Wechseljahre vorzeitig ein – vor dem 40. Lebensjahr spricht man von einer prämaturen Ovarialinsuffizienz, zwischen 40 und 45 von einer frühen Menopause –, ist eine Hormontherapie besonders wichtig. Hier geht es nicht nur um Beschwerden, sondern um Schutz: Der frühe Östrogenmangel erhöht langfristig das Risiko für Knochenbrüche und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb wird eine Hormontherapie mindestens bis zum durchschnittlichen Menopausenalter um die 52 Jahre empfohlen (SGGG, Expertenbrief Nr. 90).

Zum Weiterlesen

Die Fachgesellschaft gynécologie suisse (SGGG) bietet ein Informationsblatt für Frauen zur Hormonbehandlung in den Wechseljahren an, an dessen Erarbeitung Dr. Michael Singer mitgewirkt hat.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –