Körperliche und seelische Symptome

PMS, das prämenstruelle Syndrom, ist echt, häufig und keine Einbildung. Viele Frauen kennen die Tage vor der Regel, an denen Körper und Stimmung verrückt spielen – und hören trotzdem oft, sie sollen sich «nicht so anstellen». Das sehen wir anders: Die Beschwerden folgen einem klaren hormonellen Muster, sie sind ernst zu nehmen, und sie lassen sich gut behandeln. Auf dieser Seite erklären wir, woran man PMS erkennt und welche Wege helfen.

Was ist PMS – und was PMDS?

PMS bezeichnet körperliche und seelische Beschwerden, die regelmässig in der zweiten Zyklushälfte – nach dem Eisprung – auftreten und mit der Regel wieder verschwinden. Einzelne solche Symptome kennt fast jede Frau; bei rund 20 bis 30 Prozent sind sie so ausgeprägt, dass man von einem PMS spricht. Die schwere Form mit stark belastenden seelischen Symptomen heisst PMDS (prämenstruelle dysphorische Störung) und betrifft etwa 2 bis 5 Prozent der Frauen (RCOG Green-top Nr. 48). Sie kann Beziehungen, Arbeit und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen – und verdient eine gezielte Behandlung.

PMS hat eine biologische Grundlage

PMS ist keine Frage von Charakter oder Willensstärke. Bei betroffenen Frauen reagiert das Gehirn empfindlicher auf die ganz normalen Hormonschwankungen des Zyklus – nicht die Höhe der Hormone ist das Problem, sondern deren Veränderung. Eine wichtige Rolle spielen auch Abfallprodukte der prämenstruell zerfallenden Gebär­mutter­schleimhaut, welche über die Blutbahn ins Gehirn geraten. Eindrücklich zeigt das eine Studie, in der man die Eierstöcke vorübergehend ruhigstellte: Solange die Hormone konstant blieben, waren die Frauen beschwerdefrei – die Symptome kehrten erst zurück, als sich der Hormonspiegel wieder änderte (Schmidt et al. 2017). Genau hier setzen unsere beiden Behandlungswege an.

Die Symptome – körperlich und seelisch

PMS zeigt sich sehr unterschiedlich. Häufig sind:

  • körperlichSpannungsgefühl in der Brust, Blähbauch und Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Heisshunger, Müdigkeit, Gelenk- oder Muskelschmerzen;
  • seelischReizbarkeit, Stimmungstief, innere Anspannung, Angst, Antriebslosigkeit, Weinerlichkeit oder Schlafprobleme.

Welche Beschwerden auftreten und wie stark, ist von Frau zu Frau verschieden – und kann sich im Lauf des Lebens ändern.

Das beweisende Muster

Das Entscheidende an PMS ist nicht ein einzelnes Symptom, sondern sein Rhythmus: Die Beschwerden treten in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen mit dem Einsetzen der Regel rasch ab – in der ersten Zyklushälfte sind die meisten Frauen beschwerdefrei. Genau dieser Wechsel ist beinahe beweisend. Am sichersten erkennen wir ihn mit einem einfachen Symptomtagebuch über etwa zwei Zyklen: Sie notieren Tag für Tag, wie es Ihnen geht. Das zeigt klar, ob ein PMS vorliegt – und dient später als Erfolgskontrolle der Behandlung (RCOG Green-top Nr. 48). Verschwinden die Beschwerden hingegen nicht vollständig, sondern bestehen auch in der ersten Zyklushälfte weiter, steckt eher etwas anderes dahinter – zum Beispiel eine Depression, die sich vor der Regel verstärkt –, das wir dann anders angehen.

Behandlung: zwei Ansatzpunkte

PMS entsteht durch die normalen hormonellen Schwankungen im Zyklus und ihre Wirkung auf den Hirnstoffwechsel. Entsprechend gibt es zwei wirksame Hebel, die wir – je nach Beschwerden – einzeln oder kombiniert nutzen.

Hebel 1 – die hormonellen Schwankungen glätten. Wenn wir die zyklischen Hormonschwankungen abmildern, verlieren die Beschwerden oft ihren Auslöser.

  • Bei milderen Formen lohnt sich ein Versuch mit pflanzlichen Mitteln wie Mönchspfeffer (Agnus castus, zum Beispiel Premens).
  • Mikronisiertes Progesteron (Utrogestan) in der zweiten Zyklushälfte wird ebenfalls eingesetzt – wir erwähnen es, weisen aber darauf hin, dass die wissenschaftliche Datenlage dazu begrenzt ist.
  • Am wirksamsten ist es meist, den Eisprung und damit die Schwankung gleich ruhigzustellen – etwa mit einer hormonellen Verhütung mit kurzem hormonfreiem Intervall (zum Beispiel Slinda oder Drovelis) (RCOG Green-top Nr. 48).

Hebel 2 – auf der Neurotransmitter-Ebene ansetzen. Stehen die seelischen Symptome im Vordergrund, setzen wir bei den Botenstoffen im Gehirn an. Bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI wirken bei PMS und PMDS sehr gut und schnell – teilweise genügt die Einnahme in der zweiten Zyklushälfte. Mehrere Wirkstoffe (zum Beispiel Sertralin, Paroxetin oder Escitalopram) sind wirksam; keiner ist den anderen klar überlegen, sodass wir das Präparat individuell wählen (Shah et al. 2008). Anders als bei einer Depression geht es hier nicht um eine Dauertherapie, sondern um gezielte Hilfe in den belastenden Tagen.

Basisbehandlung gegen körperliche Symptome. Stehen Wassereinlagerungen und Spannungsgefühle im Vordergrund, kann ein entwässerndes Medikament (Spironolacton) helfen (RCOG Green-top Nr. 48). Und unabhängig vom gewählten Hebel lohnt sich die Basis: regelmässige Bewegung, guter Schlaf und Stressabbau bessern die Beschwerden, und eine kognitive Verhaltenstherapie ist nachweislich wirksam.

Wenn die Belastung gross wird

PMDS kann mit ausgeprägten Stimmungstiefs einhergehen. Wenn die Stimmung sehr tief wird oder Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, melden Sie sich bitte rasch bei uns oder holen Sie sich Hilfe – dafür ist immer Platz, und es gibt wirksame Unterstützung. Sie müssen damit nicht allein bleiben.

Wie wir gemeinsam vorgehen

Am Anfang steht das Symptomtagebuch. Daraus sehen wir, wie stark Ihr PMS ist und welche Symptome im Vordergrund stehen – und wählen gemeinsam den passenden Hebel. Wirkt der erste Weg nicht genug, kombinieren wir oder wechseln. PMS ist gut steuerbar; Sie müssen die Tage vor der Regel nicht einfach «überstehen».

Weitere Beiträge 
zu diesem Thema

Keine Beiträge gefunden.

Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –