Zwei gute Wege je nach Situation

Es gibt zwei gute Wege, ein Kind zur Welt zu bringen, die Spontangeburt (die vaginale Geburt) und den Kaiserschnitt. Manchmal ergibt sich aus der medizinischen Situation, welcher Weg der richtige ist – und Sie dürfen in jedem Fall mitentscheiden. Uns ist wichtig, dass Sie gut informiert und ohne Druck wählen können. Wir beraten Sie dazu in Ruhe während der Schwangerschaft; die Geburt selbst findet in der Klinik statt, an die wir Sie überweisen, bzw. wo der von uns vermittelte Belegarzt (Belegärztin) tätig ist.

Die Spontangeburt

Die vaginale Geburt ist der natürliche Weg, ein Kind zur Welt zu bringen, und für viele Frauen der richtige. Ihre Vorteile: eine in der Regel raschere Erholung, kein Bauchschnitt, eine unversehrte Gebärmutter für spätere Schwangerschaften und für viele Frauen ein intensives Geburtserlebnis. Wir müssen aber erwähnen, dass eine geplante vaginale Geburt nicht immer wie vorgesehen verläuft; etwa eine von zehn endet mit einer Saugglocke oder Zange, und etwa eine von zehn mit einem ungeplanten (Notfall-)Kaiserschnitt. Das ist kein Versagen, sondern Teil der natürlichen Unwägbarkeit einer Geburt.

Der Kaiserschnitt

Beim Kaiserschnitt (Sectio) wird das Kind über einen queren Schnitt im Unterbauch geboren. Er ist heute eine sichere Routineoperation und dauert meist 25 bis 40 Minuten. Ausser im Notfall erfolgt er in Teilnarkose (Spinal- oder Periduralanästhesie); Sie sind wach, Ihr Partner kann dabei sein, und das Kind wird Ihnen rasch in den Arm gelegt. Ein Kaiserschnitt ist klar angezeigt, wenn eine vaginale Geburt für Mutter oder Kind zu riskant wäre – etwa bei Querlage, bei einer vorliegenden Plazenta oder bei bestimmten Komplikationen während der Geburt.

Der geplante und der Wahl-Kaiserschnitt

Steht schon vorher fest, dass ein Kaiserschnitt sinnvoll ist, planen wir ihn – am besten um die vollendete 39. Woche, weil das Kind dann ausgereift ist und vorübergehende Anpassungsprobleme der Lunge selten sind. Ein Kaiserschnitt ist auch auf Ihren, gut informierten Wunsch möglich (Wahl-Kaiserschnitt). Wichtig ist uns eine ehrliche Abwägung statt einer pauschalen Empfehlung:

  • Für die MutterFür den geplanten Kaiserschnitt spricht vor allem der bessere Schutz des Beckenbodens (weniger späterer ungewollter Urin- oder Stuhlverlust). Dagegen sprechen die Risiken einer Operation und – für spätere Schwangerschaften – ein etwas erhöhtes Risiko für Probleme mit dem Sitz der Plazenta. Ein geplanter Kaiserschnitt bietet zudem eine Planbarkeit, die die Spontangeburt nie ganz bieten kann: Er vermeidet die – seltene – Situation, dass eine vaginale Geburt unerwartet und rasch in einen Notfall kippt, der für Mutter und Kind belastend und traumatisierend sein kann.
  • Für das KindBei guter Planung (ab 39 Wochen) ist der Unterschied gering; ein zu früh angesetzter Kaiserschnitt bringt häufiger vorübergehende Atemprobleme.

Welcher Weg der richtige ist, hängt nicht nur von Zahlen ab, sondern auch von Ihren Werten und Ihrer Lebenssituation. Gerade für Frauen, die nach einem langen oder schwierigen Weg zur Schwangerschaft gekommen sind – etwa nach einer Kinderwunschbehandlung –, kann der Wunsch nach grösstmöglicher Sicherheit für das Kind besonders verständlich sein. Wir nehmen solche Überlegungen ernst und unterstützen Ihre informierte Entscheidung (Leitlinie Sectio caesarea).

Geburt nach einem Kaiserschnitt (VBAC)

Früher galt: einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt. Das stimmt heute nicht mehr. Viele Frauen können nach einem Kaiserschnitt beim nächsten Mal vaginal gebären (in der Fachsprache VBAC, vaginal birth after caesarean). Der Versuch gelingt je nach Statistik in 50 - 70 % der Fälle. Das Hauptrisiko ist ein Einreissen der Kaiserschnittnarbe an der Gebärmutter (Uterusruptur): Mit etwa 0,7 % ist es selten, aber ernst – zum Vergleich liegt es bei einem geplanten erneuten Kaiserschnitt bei rund 0,2 %. Deshalb ist eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt nur in einer Klinik zu verantworten, die jederzeit rasch einen Notfall-Kaiserschnitt durchführen kann – nicht zu Hause oder im Geburtshaus. Ob ein VBAC oder ein geplanter erneuter Kaiserschnitt besser zu Ihnen passt, entscheiden wir gemeinsam, abhängig von Ihrer Vorgeschichte und Ihren Wünschen (SGGG-Guideline).

Ein verständliches Informationsblatt der SGGG fasst die wichtigsten Punkte für Schwangere nach einem Kaiserschnitt zusammen: Informationsblatt der SGGG (Update 2024).

Wie wir Sie begleiten

Es gibt nicht die eine richtige Geburt für alle. Unsere Aufgabe ist, Ihnen die Wege ehrlich aufzuzeigen, Ihre persönliche Situation einzuschätzen und Sie zu der Entscheidung zu begleiten, die für Sie stimmt. Die Geburt selbst findet in der Klinik statt, an die wir Sie zuweisen; dort lernen Sie das Team kennen, das Sie begleitet, und der endgültige Entscheid wird gemeinsam getroffen. Beide Geburtswege – die vaginale Geburt wie der Kaiserschnitt – haben ihre Vor- und Nachteile und beide werden von der Grundversicherung übernommen; die Kosten sollen Ihre Entscheidung also nicht beeinflussen.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –