Eine Erfolgsgeschichte

Die Vorsorge am Gebärmutterhals ist eine der schönsten Erfolgsgeschichten der Frauenmedizin. Anders als bei vielen anderen Krebsarten können wir hier nicht erst den Krebs früh erkennen, sondern bereits seine Vorstufen – oft Jahre, bevor überhaupt etwas Bösartiges entstehen könnte. Diese lange Vorlaufzeit ist Ihr grösster Verbündeter: Sie gibt uns Zeit, in Ruhe zu beobachten und nur dann zu handeln, wenn es wirklich nötig ist.

Fast immer ist HPV im Spiel – und das ist keine Schande

Wir wissen heute, dass praktisch alle bösartigen Zellveränderungen am Gebärmutterhals – nahezu alle Fälle, rund 99 Prozent – durch humane Papillomaviren (HPV) ausgelöst werden (de Martel et al. 2017). Diese Viren sind ausgesprochen häufig und werden beim Geschlechtsverkehr übertragen – die allermeisten sexuell aktiven Menschen kommen irgendwann mit ihnen in Kontakt. Eine HPV-Infektion ist also kein Zeichen von mangelnder Hygiene oder Untreue, sondern schlicht etwas, das zum Leben dazugehört.

Die gute Nachricht: In etwa neun von zehn Fällen wird das Immunsystem das Virus von ganz allein wieder los, innerhalb von rund zwei Jahren, ohne dass je etwas passiert (BAG). Nur wenn eine Infektion mit bestimmten Hochrisiko-Typen über Jahre bestehen bleibt, können sich überhaupt Vorstufen entwickeln. Genau diese seltenen Fälle wollen wir mit der Vorsorge rechtzeitig erwischen.

Impfen, bevor das Virus kommt

Den wirksamsten Schutz bietet die HPV-Impfung. Sie richtet sich gegen jene Virustypen, die am häufigsten hinter Gebärmutterhalskrebs stehen, und wirkt am besten, wenn sie verabreicht wird, bevor der erste Kontakt mit dem Virus – also in der Regel vor dem ersten Geschlechtsverkehr – stattgefunden hat. Empfohlen wird sie für Mädchen und Jungen gleichermassen, in der Regel mit 11 bis 14 Jahren, denn HPV betrifft beide Geschlechter. In der Schweiz läuft sie über die kantonalen Impfprogramme und ist dort derzeit von der Franchise befreit; auch wer als Jugendliche keine Gelegenheit hatte, kann sie bis 26 Jahren nachholen – sprechen Sie uns einfach darauf an (BAG).

Und auch wer geimpft ist, geht weiterhin zur Vorsorge: Die Impfung schützt vor den wichtigsten, aber nicht vor allen Hochrisiko-Typen. Der Abstrich bleibt deshalb sinnvoll.

Was wir wann untersuchen

Beim Abstrich entnehmen wir mit einem weichen Bürstchen ein paar Zellen vom Gebärmutterhals und lassen sie im Labor untersuchen. Das dauert nur einen Augenblick und tut in aller Regel nicht weh. Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt vom Alter ab: In der Regel beginnen wir ab dem 21. Lebensjahr und wiederholen den Abstrich, solange alles unauffällig ist, etwa alle drei Jahre – ein jährlicher Abstrich ist nach heutigem Wissen nicht nötig. Ab 30 kann zusätzlich ein HPV-Test sinnvoll sein, der direkt nach dem Virus sucht. Diese primäre HPV-Testung wird derzeit allerdings noch nicht von der Grundversicherung übernommen – wir besprechen Methode und Kosten gern mit Ihnen (SGGG, Expertenbrief Nr. 50).

Warum wir Sie trotzdem jedes Jahr gerne sehen

Dass der Abstrich nur alle paar Jahre fällig ist, heisst nicht, dass auch der Termin bei uns nur alle paar Jahre sein sollte. Eine jährliche Kontrolle ist aus vielen anderen Gründen sinnvoll: zum Abtasten der Brust, für Fragen zur Verhütung, für Rezepte, bei Beschwerden oder einfach, um in Ruhe das zu besprechen, was Sie gerade beschäftigt. Der Abstrich ist nur ein Baustein der Vorsorge – nicht der einzige Grund, vorbeizukommen.

Wenn der Abstrich auffällig ist: meistens kein Grund zur Sorge

Zeigt ein Abstrich Veränderungen, ist das fast nie ein Notfall – und schon gar keine Krebsdiagnose. Wenn Sie regelmässig zur Kontrolle kommen, haben wir immer genug Zeit. Oft genügt zunächst eine HPV-Typisierung: Ist diese negativ, wiederholen wir den Abstrich einfach in einem Jahr. Bei Bedarf schauen wir uns den Gebärmutterhals mit einer speziellen Lupe genauer an (Kolposkopie) und entnehmen eine kleine Gewebeprobe. Häufig handelt es sich ohnehin um leichte Veränderungen, von denen sich etwa die Hälfte innerhalb von zwei Jahren von selbst zurückbildet (Melnikow et al. 1998); dann kontrollieren wir nach einigen Monaten einfach noch einmal.

Wenn doch eine Behandlung nötig ist

Bestätigt sich eine höhergradige Veränderung, wird das betroffene Gewebe in einem kleinen Eingriff schonend entfernt (Konisation). Diesen Eingriff führen wir nicht selbst durch – wir weisen Sie dafür an ein spezialisiertes Spital oder Zentrum zu und begleiten Sie weiter. Die modernen Techniken sind gewebeschonend, sodass spätere Schwangerschaften meist ganz normal verlaufen.

Reception Dr Singer

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –