Achten Sie auf Hilfe und genug Schlaf

Die ersten Wochen nach der Geburt – das Wochenbett – sind eine intensive Zeit. Ihr Körper bildet sich zurück, Ihr Leben ordnet sich neu, und das alles bei wenig Schlaf. Seien Sie in dieser Phase nachsichtig mit sich. Sie müssen nichts «leisten» und nicht alles allein schaffen: Ihre Hebamme begleitet Sie zu Hause, und wir sehen Sie zur Schlusskontrolle wieder, und jederzeit früher bei Bedarf. Hier erfahren Sie, was im Wochenbett normal ist, worauf wir achten und wo Sie Unterstützung finden.

Wie sich Ihr Körper erholt

In den ersten rund sechs Wochen kehrt vieles allmählich in den Ausgangszustand zurück. Die Gebärmutter zieht sich wieder zusammen, was anfangs als Nachwehen spürbar sein kann – besonders beim Stillen. Über mehrere Wochen fliesst der Wochenfluss (Lochien) ab und verändert dabei langsam seine Farbe von rot zu gelblich-weiss. Eine Geburtsverletzung am Damm oder die Kaiserschnittnarbe heilt in dieser Zeit, und etwa drei Tage nach der Geburt setzt mit dem Milcheinschuss die Milchbildung richtig ein. Auch Ihr Beckenboden, der bei der Geburt stark gefordert wurde, braucht Zeit und gezielte Rückbildungsübungen, um wieder zu Kräften zu kommen. Gönnen Sie sich Ruhe – ein Mittagsschlaf gehört ausdrücklich dazu.

Die Hebamme begleitet Sie zu Hause

Nach der Entlassung aus der Klinik sind Sie nicht auf sich gestellt: Eine frei gewählte Hebamme besucht Sie zu Hause. Sie unterstützt Sie beim Stillen und bei der Pflege Ihres Kindes, kontrolliert Ihre Rückbildung und die Heilung und hat ein Auge auf Ihr Wohlbefinden. Diese Hausbesuche werden von der Grundversicherung übernommen. Nutzen Sie diese Begleitung – gerade beim ersten Kind sind die Tipps der Hebamme Gold wert.

Baby-Blues und Wochenbettdepression

Die Tage nach der Geburt sind ein Gefühlswechselbad. Viele Frauen sind um den dritten bis fünften Tag herum plötzlich traurig, reizbar oder weinen wegen Kleinigkeiten – das ist der sogenannte Baby-Blues. Er hängt mit der hormonellen Umstellung zusammen, ist völlig normal und vergeht von selbst innerhalb von etwa zwei Wochen.

Anders ist es, wenn die Niedergeschlagenheit länger anhält, stärker wird oder von Ängsten, Erschöpfung und dem Gefühl begleitet ist, der Situation nicht gewachsen zu sein. Dann kann eine Wochenbettdepression dahinterstecken. Sie ist häufig – etwa eine von sieben Müttern ist betroffen –, sie ist keine Schwäche und kein Versagen, und sie lässt sich gut behandeln. Ihre Hebamme achtet im Wochenbett darauf (oft mit einem kurzen Fragebogen, der Edinburgh-Skala), und auch wir sind jederzeit ansprechbar. Bitte zögern Sie nicht, sich zu melden – je früher Sie Unterstützung bekommen, desto rascher geht es Ihnen wieder besser. Sie und Ihr Kind haben das verdient.

Nachkontrollen

Rund sechs bis acht Wochen nach der Geburt sehen wir Sie zur Schlusskontrolle in der Praxis. Dabei schauen wir, ob die Rückbildung gut verläuft, führen bei Gelegenheit den Krebsabstrich (Pap) durch und besprechen die Verhütung für die Zeit danach (mehr dazu → «Verhütung»).

Je nach Schwangerschaftsverlauf kommen gezielte Zusatzkontrollen dazu:

  • Nach einem Schwangerschaftsdiabetes prüfen wir mit einem erneuten Zuckerbelastungstest (oGTT) vier bis zwölf Wochen nach der Geburt, ob sich der Zuckerstoffwechsel normalisiert hat; danach empfehlen sich regelmässige Langzeitkontrollen (SGGG) (mehr dazu → «Gestationsdiabetes»).
  • Nach einem Schwangerschaftsbluthochdruck oder einer Präeklampsie behalten wir Ihren Blutdruck im Auge – er kann sich auch nach der Geburt noch verändern – und sorgen für die nötige Nachkontrolle.
  • Bei Blutarmut: Wenn Sie unter der Geburt viel Blut verloren haben oder schon vorher einen Eisenmangel hatten, gleichen wir diesen mit Eisen-Tabletten oder, wenn nötig, einer Eisen-Infusion aus.

Stillen – und wenn es anders kommt

Muttermilch ist die natürliche Ernährung Ihres Kindes; die WHO empfiehlt, in den ersten rund sechs Monaten ausschliesslich zu stillen (WHO). Stillen will aber gelernt sein und klappt nicht bei jeder Frau von Anfang an reibungslos – wunde Brustwarzen, ein Milchstau oder einfach Unsicherheit gehören dazu. Hier helfen Ihnen die Hebamme und bei Bedarf eine Stillberatung weiter.

Genauso wichtig ist uns: Stillen ist kein Muss. Wenn es trotz Unterstützung nicht klappt oder Sie sich dagegen entscheiden, ist Flaschennahrung (Säuglingsmilch) eine sichere und gute Alternative – Ihr Kind gedeiht auch damit bestens. Was zählt, ist ein satter, geliebter Säugling und eine Mutter, der es gut geht. Möchten Sie abstillen, begleiten wir Sie behutsam, zusammen mit Ihrer ambulanten Hebamme; soll die Milch rasch versiegen, kann ein Medikament (Cabergolin) die Milchbildung stoppen. Diese Entscheidung treffen Sie – ohne Druck und ohne schlechtes Gewissen.

Wann Sie sich umgehend melden sollten

Das meiste im Wochenbett ist harmlos. Melden Sie sich aber bitte umgehend bei uns, Ihrer Hebamme oder der Klinik, wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken:

  • starke oder plötzlich wieder zunehmende Blutung oder übel riechender Wochenfluss;
  • Fieber, Schüttelfrost oder ein allgemeines Krankheitsgefühl;
  • eine gerötete, schmerzhafte, überwärmte Brust mit Fieber (Hinweis auf eine Brustentzündung);
  • starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Oberbauchschmerzen (eine Präeklampsie ist auch nach der Geburt noch möglich);
  • ein geschwollenes, schmerzhaftes Bein oder plötzliche Atemnot (Hinweis auf eine Thrombose).

Und wenn Sie sich seelisch verlieren oder Gedanken haben, sich selbst oder Ihrem Kind etwas anzutun: Warten Sie nicht, sondern holen Sie sofort Hilfe – bei uns, Ihrer Hebamme oder einer Notfallstelle. Sie sind damit nicht allein.

Seien Sie nachsichtig mit sich

Das Wochenbett ist keine Zeit, in der Sie funktionieren müssen. Holen Sie sich Hilfe, nehmen Sie Unterstützung an und geben Sie sich und Ihrem Kind Zeit, sich kennenzulernen. Wir und Ihre Hebamme sind für Sie da.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –