Endometriose – wenn Gebärmutterschleimhaut auswandert

Endometriose – wenn Gebärmutterschleimhaut auswandert

Endometriose - häufig und oft verkannt
Endometriose ist häufig – und wird trotzdem oft jahrelang nicht erkannt. Viele Frauen hören lange, sie hätten «einfach starke Regelschmerzen», bis die Diagnose endlich gestellt wird. Das wollen wir ändern: Wir nehmen Ihre Schmerzen ernst, klären gezielt ab und behandeln wirksam. Endometriose verschwindet nicht wie eine Erkältung – aber sie ist gut behandelbar, und Sie müssen die Schmerzen nicht hinnehmen, als wären sie normal.
Bei einer Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, ausserhalb der Gebärmutter an – etwa am Bauchfell, an den Eierstöcken oder den Haltebändern der Gebärmutter. Dieses Gewebe macht den monatlichen Zyklus mit: Es blutet, kann aber nicht abfliessen. Die Folge ist eine chronische Entzündung mit Schmerzen, Verwachsungen und Narben. Schätzungsweise rund jede zehnte Frau ist betroffen (ESHRE 2022). Wichtig: Wie ausgeprägt die Endometriose ist, sagt wenig darüber aus, wie stark die Beschwerden sind – manche Frauen mit ausgedehnten Herden spüren wenig, andere mit kleinen Herden leiden sehr.
Sitzt dieses Gewebe in der Muskelwand der Gebärmutter selbst, spricht man von einer Adenomyose. Sie verursacht vor allem starke, schmerzhafte und oft verlängerte Regelblutungen sowie ein Druckgefühl, und lässt sich im Ultraschall heute gut erkennen. Behandelt wird sie ähnlich wie die Endometriose; bei Blutungsstörungen hilft oft schon eine Hormonspirale (mehr dazu → «Zyklus- und Blutungsstörungen»).
Endometriose zeigt sich sehr unterschiedlich. Typisch sind:
Seltener treten zyklische Beschwerden an ungewöhnlichen Orten auf (etwa Schulter- oder Narbenschmerzen). Wenn Sie solche Muster bei sich erkennen, sprechen Sie uns an – je früher wir abklären, desto besser. Endometriose kann übrigens schon im Teenageralter beginnen: Starke Regelschmerzen bei jungen Frauen gehören ernst genommen und abgeklärt (mehr dazu → «Teenager-Sprechstunde»).
Lange galt: Sicherheit gibt nur die Bauchspiegelung. Das ist überholt. Heute beginnen wir mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Schmerzen und stellen die Verdachtsdiagnose oft schon klinisch. Der Ultraschall zeigt viele Herde, Zysten an den Eierstöcken (Endometriome) und auch tiefere Befunde; bei Bedarf ergänzen wir ein MRI (ESHRE 2022). Nicht-invasive Tests aus Speichel werden derzeit erprobt, sind aber noch nicht ausreichend abgesichert, um die bewährte Abklärung zu ersetzen. Eine Bauchspiegelung wird heute nur noch gezielt durchgeführt – wenn die Bildgebung unklar bleibt oder ohnehin behandelt werden soll –, nicht mehr allein zur Diagnose.
Die Behandlung richtet sich danach, was Sie belastet und was Sie sich wünschen – Schmerzlinderung, Kinderwunsch oder beides. Den Weg wählen wir gemeinsam, oft in Kombination:
Endometriose und Unfruchtbarkeit gehören nicht zwangsläufig zusammen – viele Frauen mit Endometriose werden schwanger, spontan oder mit Unterstützung. Wenn Sie sich Kinder wünschen, planen wir den Weg individuell und stimmen Schmerzbehandlung und Kinderwunsch aufeinander ab. Ausführlich dazu → «Endometriose und Kinderwunsch».
Der Verlauf ist schwer vorherzusagen: Manche Frauen sind nach einer Behandlung lange beschwerdefrei, andere haben wiederkehrende Phasen. Nach einer Operation beugt eine hormonelle Therapie einem Rückfall vor (ESHRE 2022). Wir bleiben an Ihrer Seite und passen die Behandlung über die Jahre an – damit Sie möglichst beschwerdearm und selbstbestimmt leben können.
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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –