Unerfüllter Kinderwunsch

als Folge der Endometriose

Viele Frauen mit Endometriose tragen die Sorge mit sich, womöglich kein Kind bekommen zu können. Vorweg das Wichtigste: Sehr viele Frauen mit Endometriose werden schwanger – oft auf natürlichem Weg. Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, muss es aber nicht. Auf dieser Seite schauen wir ehrlich an, was die Endometriose mit der Fruchtbarkeit macht, was wirklich hilft – und was nicht. Was die Erkrankung selbst ist, lesen Sie ausführlich auf unserer Seite → «Endometriose».

Wie Endometriose die Fruchtbarkeit beeinflusst

Endometriose kann die Fruchtbarkeit auf mehreren Wegen erschweren: Eine chronische Entzündung im kleinen Becken verändert das Milieu für Ei- und Samenzellen, Verwachsungen können die Eileiter verkleben, Zysten an den Eierstöcken (sogenannte Schokoladenzysten) stören Eisprung und Eizellreserve, und auch die Eizellqualität kann leiden. Eine Sonderform, die Adenomyose (Endometriose im Gebärmuttermuskel), kann zusätzlich die Einnistung des Embryos erschweren. Wichtig zu wissen: Das Ausmass der Endometriose, die Stärke der Schmerzen und der Einfluss auf die Fruchtbarkeit gehen nicht Hand in Hand. Eine Frau mit ausgeprägten Herden kann mühelos schwanger werden, während eine andere mit wenig sichtbarer Endometriose mit unerfülltem Kinderwunsch kämpft.

Die Dunkelziffer

Endometriose ist häufig – etwa eine von zehn Frauen ist betroffen, unter Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch deutlich mehr. Und sie bleibt oft lange unerkannt: Von den ersten Beschwerden bis zur Diagnose vergehen nicht selten Jahre, weil starke Regelschmerzen lange als «normal» abgetan werden. Wenn Sie unter ausgeprägten Schmerzen vor und während der Periode, Schmerzen beim Sex tief im Becken oder unerfülltem Kinderwunsch leiden, lohnt sich eine gezielte Abklärung – je früher, desto besser.

Wie wir abklären

Den ersten Hinweis geben das Gespräch über Ihre Beschwerden und die Ultraschalluntersuchung, mit der sich vor allem Zysten an den Eierstöcken und tiefe Herde erkennen lassen. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) galt lange als einziger Weg zur sicheren Diagnose. Heute stellen wir die Diagnose oft schon anhand von Beschwerden und Ultraschall – und führen eine Bauchspiegelung nicht mehr «nur zum Nachschauen» durch, sondern dann, wenn sie zugleich eine Behandlung bringt.

Der heikle Punkt: Operation und Fruchtbarkeit

Hier möchten wir besonders ehrlich sein, weil gerade bei Operationen viel Hoffnung mitschwingt – manchmal mehr, als die Daten hergeben.

Für die natürliche Fruchtbarkeit ist der Nutzen einer Operation nur schwach belegt. Einen kleinen Vorteil zeigen ältere Studien am ehesten bei sehr leichter Endometriose. Bei fortgeschrittener Endometriose oder Schokoladenzysten verbessert eine Operation die Chancen dagegen nicht verlässlich – im Gegenteil: Das Ausschälen einer Eierstockzyste entfernt fast immer auch gesundes Eierstockgewebe und senkt damit die Eizellreserve (Übersicht).

Für eine Kinderwunsch-Behandlung gilt noch klarer: Es gibt keinen Beleg, dass eine Operation vor einer künstlichen Befruchtung deren Erfolg verbessert. Die aktuelle Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, vor einer IVF routinemässig zu operieren (ESHRE 2022). Wir operieren deshalb nicht reflexartig, sondern nur, wenn es einen eigenen Grund gibt – etwa starke Schmerzen, eine sehr grosse Zyste, welche die Eizellentnahme behindert, oder einen unklaren Befund. Auch eine medikamentöse Ruhigstellung der Eierstöcke allein verbessert die Fruchtbarkeit nicht.

Diese Entscheidung treffen wir nie schematisch, sondern in Ruhe mit Ihnen – mit dem Ziel, Ihre Fruchtbarkeit zu schützen, nicht ihr zu schaden.

Welche Wege zum Kind

Welcher Weg der richtige ist, hängt von Ihrem Alter, dem Befund und Ihrer Eizellreserve ab. Bei leichter Endometriose und jungen Frauen kann es sinnvoll sein, es zunächst auf natürlichem Weg oder mit einer Eisprungförderung und Insemination zu versuchen (mehr dazu → «Eisprung fördern und Insemination»). In vielen Fällen ist jedoch die künstliche Befruchtung (IVF/ICSI) der wirksamste Weg – besonders, wenn die Eizellreserve vermindert ist, die Eileiter betroffen sind oder die Zeit drängt. Die IVF umgeht viele der Probleme, welche die Endometriose im Becken verursacht, und führt auch bei Endometriose zu guten Erfolgsraten.

Eizellen vorsorglich einfrieren

Wenn die Eizellreserve durch die Endometriose – oder durch eine notwendige Operation – bedroht ist, kann es sinnvoll sein, frühzeitig Eizellen einzufrieren und so für später vorzusorgen. Das ist gerade dann ein Thema, wenn der Kinderwunsch noch nicht ansteht, eine Schokoladenzyste oder ein geplanter Eingriff die Reserve aber gefährdet (mehr dazu → «Eizellvorsorge»).

Sie sind nicht allein

Endometriose und unerfüllter Kinderwunsch zusammen sind eine doppelte Belastung. Behalten Sie im Blick: Die Diagnose Endometriose bedeutet nicht, dass es nicht klappt – sehr viele dieser Frauen bekommen ihr Kind. Wir begleiten Sie auf diesem Weg medizinisch und menschlich (mehr dazu → «Die seelische Seite des Kinderwunsches»).

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –