Was guttut, was Sie meiden sollten

Rund ums Essen in der Schwangerschaft kursieren viele Regeln und noch mehr Verunsicherung. Die gute Nachricht: Das meiste dürfen Sie weiterhin geniessen. Sie müssen auch nicht «für zwei» essen – der Energiebedarf steigt nur wenig. Wichtig sind eine ausgewogene Auswahl, ein paar Nährstoffe und einige wenige Lebensmittel, die Sie besser meiden. Hier das Wichtigste, ohne erhobenen Zeigefinger.

Was guttut

Essen Sie ausgewogen und abwechslungsreich: viel Gemüse und Früchte, täglich Milchprodukte, dazu Vollkornprodukte, regelmässig Fisch (1- bis 2-mal pro Woche), Fleisch sowie pflanzliche Eiweisse wie Hülsenfrüchte. Trinken Sie genug – am besten Wasser oder ungesüssten Tee (rund 1,5 bis 2 Liter pro Tag). Gemüse und Früchte vor dem Essen gründlich waschen. Mehr braucht es meist nicht: Der zusätzliche Energiebedarf ist klein – erst im letzten Drittel etwa so viel wie eine zusätzliche Zwischenmahlzeit.

Wichtige Nährstoffe

Ein paar Nährstoffe verdienen besondere Beachtung – wir schauen sie gemeinsam an:

  • Folsäure: schon vor der Schwangerschaft und in den ersten Wochen besonders wichtig (mehr dazu → «Vor der Schwangerschaft»).
  • Jod: Die Schweiz ist ein Jodmangelgebiet, und in der Schwangerschaft ist der Bedarf erhöht. Wir besprechen, ob ein Jod- oder Schwangerschaftspräparat sinnvoll ist.
  • Eisen: Der Bedarf steigt; ob ein Eisenpräparat nötig ist, zeigt die Blutkontrolle – eine Einnahme «auf Vorrat» braucht es nicht.
  • Vitamin D und Omega-3 (DHA): unterstützen Knochen und Entwicklung und sind oft in Schwangerschafts-Multivitaminen enthalten.

Ein für die Schwangerschaft zusammengestelltes Multivitamin-Präparat ist eine gute Absicherung – es ersetzt aber keine ausgewogene Ernährung.

Was Sie meiden sollten

Einige Lebensmittel können Keime enthalten, die in der Schwangerschaft gefährlich werden (etwa Listerien oder Toxoplasmose-Erreger). Diese lassen Sie für die paar Monate besser weg:

  • rohes oder blutiges Fleisch und Rohwurst (zum Beispiel Tatar, Carpaccio, Salami, Trockenfleisch);
  • Rohmilch und Weichkäse aus Rohmilch – Hartkäse und pasteurisierte Produkte sind dagegen in Ordnung;
  • rohen oder geräucherten Fisch und Meeresfrüchte (Sushi, Räucherlachs); quecksilberreiche Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Hai nur selten;
  • vorgeschnittene, abgepackte Salate und Früchte sowie rohe Sprossen;
  • rohe Eier (zum Beispiel Tiramisu oder selbst gemachte Mayonnaise);
  • Leber und hoch dosierte Vitamin-A-Präparate (zu viel Vitamin A schadet dem Kind).

Im Alltag hilft viel: Hände, Brett und Messer nach rohem Fleisch gut waschen, Speisen gut durchgaren und Gemüse wie Früchte gründlich waschen.

Genussmittel

Alkohol. Dass viel oder regelmässig Alkohol dem Kind schadet, ist klar belegt. Ob ganz geringe Mengen bereits schädlich sind, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt – ein gelegentliches kleines Glas Wein oder Sekt gilt als wahrscheinlich unbedenklich. Auf regelmässigen Konsum verzichten Sie aber besser ganz.

Rauchen. Rauchen belastet das Kind über die ganze Schwangerschaft und erhöht das Risiko für Wachstumsstörungen, Frühgeburt und weitere Probleme. Aufzuhören lohnt sich in jedem Stadium – wir unterstützen Sie gern dabei.

Koffein. Ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag sind in Ordnung. Denken Sie daran, dass auch schwarzer und grüner Tee, Cola und Schokolade Koffein enthalten.

Cannabis und andere Drogen. Darauf verzichten Sie in der Schwangerschaft bitte ganz. Wenn Sie dabei Unterstützung brauchen, sprechen Sie uns an – vertraulich und ohne Wertung.

Vegetarisch, vegan und Co.

Sich vegetarisch zu ernähren, ist in der Schwangerschaft gut möglich. Bei veganer Ernährung ist eine sichere Versorgung mit Vitamin B12 (und einigen weiteren Nährstoffen) entscheidend – das begleiten wir eng und ergänzen gezielt. Und keine Sorge: Sie müssen nicht vorsorglich auf Nüsse oder andere Lebensmittel verzichten, um beim Kind Allergien zu vermeiden; das bringt nichts.

Gewichtszunahme

Eine gewisse Gewichtszunahme gehört zur Schwangerschaft und ist erwünscht – Ihr Körper baut Reserven auf und versorgt das Kind. Wie viel im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Ihrem Ausgangsgewicht ab; das schauen wir gemeinsam an. Diäten oder Appetitzügler sind in der Schwangerschaft tabu. Es geht nicht um eine bestimmte Zahl auf der Waage, sondern um eine gesunde Entwicklung für Sie und Ihr Kind.

Wie wir Sie unterstützen

Sie müssen sich das alles nicht merken. Bei den Kontrollen schauen wir gemeinsam, ob Sie gut versorgt sind, und beantworten Ihre Fragen rund ums Essen. Im Zweifel gilt: lieber einmal mehr nachfragen als unnötig verzichten.

Quellen
· Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Ernährung rund um Schwangerschaft und Stillzeit.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –