Sichere und vielseitige Verhütung

Hormonelle Verhütung ist sicher, gut erprobt und erstaunlich vielseitig. Es gibt nicht die eine Methode, sondern eine ganze Reihe – von der täglichen Pille über die Spirale bis zum Stäbchen, das jahrelang schützt. Und viele davon können mehr als nur verhüten: Sie bessern Hautprobleme, lindern Schmerzen oder beruhigen starke Blutungen. Auf dieser Seite zeigen wir, wie hormonelle Verhütung wirkt, welche Methoden es gibt, was sie können – und welche Risiken ehrlicherweise dazugehören. Welche zu Ihnen passt, finden wir dann gemeinsam.

Wie hormonelle Verhütung wirkt

Alle hormonellen Methoden nutzen körpereigene Botenstoffe – Östrogen und Gestagen oder Gestagen allein –, um auf drei Wegen zu wirken: Sie bremsen den Eisprung, verdicken den Schleim am Muttermund (sodass Samenzellen schwerer durchkommen) und halten die Gebärmutterschleimhaut dünn. Man unterscheidet zwei Familien, und dieser Unterschied ist wichtig:

  • kombinierte Methoden enthalten Östrogen und Gestagen (Pille, Ring, Pflaster);
  • östrogenfreie Methoden enthalten nur Gestagen (Gestagen-Pille, Hormonspirale, Stäbchen, 3-Monats-Spritze).

Der Unterschied entscheidet vor allem über zwei Dinge: das Thromboserisiko (das hängt am Östrogen) und die Frage, für wen eine Methode geeignet ist.

Die kombinierten Methoden (Östrogen + Gestagen)

Diese Methoden enthalten beide Hormone. Sie geben gute Kontrolle über den Zyklus, machen die Regel meist kürzer und schwächer und bessern oft die Haut. Sie teilen sich aber auch ein gemeinsames Risikoprofil (siehe weiter unten).

Die Pille ist die bekannteste Methode: eine Tablette täglich, klassisch drei Wochen mit einwöchiger Pause, in der die Blutung kommt. Sie ist gut steuerbar, und die Regel lässt sich für Ferien problemlos verschieben. Ihr einziger Haken: Man muss jeden Tag daran denken – wer öfter vergisst, ist mit einer anderen Methode sicherer aufgehoben.

Der Vaginalring wird einmal im Monat selbst eingelegt, bleibt drei Wochen liegen und gibt die Hormone gleichmässig ab. Vorteil: kein tägliches Denken. Man muss sich mit dem Einlegen anfreunden.

Das Pflaster wird wöchentlich gewechselt und gibt die Hormone über die Haut ab – praktisch für alle, die mit der täglichen Tablette hadern. Es ist sichtbar und kann sich selten lösen.

Der Langzyklus ist keine eigene Methode, sondern eine Anwendungsweise: Pille oder Ring werden ohne Pause durchgenommen, sodass die Blutung seltener kommt oder ganz ausbleibt. Das ist medizinisch unbedenklich – die monatliche Blutung unter der Pille ist nicht nötig – und besonders hilfreich bei PMS, Regelschmerzen, Migräne in der Pillenpause, Endometriose oder Akne. In den ersten Monaten kann es Zwischenblutungen geben; nach dem Absetzen kehren Zyklus und Fruchtbarkeit rasch zurück.

Die östrogenfreien Methoden (nur Gestagen)

Diese Methoden kommen ohne Östrogen aus. Das macht sie zur guten Wahl, wenn Östrogen nicht passt – etwa bei Migräne mit Aura, Rauchen über 35, einer Thrombose in der Vorgeschichte oder in der Stillzeit. Sie bringen kein östrogenbedingtes Thrombose- oder Herz-Kreislauf-Risiko mit. Typisch ist, dass sich das Blutungsmuster verändert: oft wird die Regel leichter oder bleibt aus, manchmal treten unregelmässige Schmierblutungen auf.

Die Gestagen-Pille (früher «Minipille») ist eine tägliche Tablette ohne Östrogen. Moderne Präparate – etwa mit Desogestrel (Cerazette) oder Drospirenon (Slinda) – sind zuverlässig und verzeihen Einnahmefehler besser als die alten Minipillen. Sie eignet sich auch in der Stillzeit.

Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingelegt und schützt je nach Modell (Mirena, Kyleena, Jaydess) drei bis acht Jahre. Sie gehört zu den sichersten Methoden überhaupt, weil man nichts vergessen kann. Sie gibt das Hormon vor allem örtlich ab, sodass wenig in den Körper gelangt, und macht die Regel deutlich leichter – oft bleibt sie ganz aus. Genau deshalb setzen wir sie auch gegen starke Blutungen ein.

Symbolbild einer eingesetzten Hormonspirale (Mirena®, Kyleena®)

Das Stäbchen (Implantat) ist ein streichholzgrosses Stäbchen, das unter die Haut am Oberarm gesetzt wird und drei Jahre schützt – auch hier kann man nichts vergessen. Unregelmässige Blutungen sind möglich und der häufigste Grund, es vorzeitig wieder zu entfernen.

Die 3-Monats-Spritze wird alle drei Monate verabreicht und ist eine Option, wenn anderes nicht infrage kommt. Zu bedenken: Nach dem Absetzen kann es einige Monate dauern, bis die Fruchtbarkeit zurückkehrt (anders als bei allen übrigen Methoden), und die Knochendichte kann vorübergehend leicht abnehmen. Für junge Frauen ist sie deshalb selten erste Wahl.

Spirale und Stäbchen nennt man LARC («long-acting reversible contraception»): einmal eingesetzt, schützen sie über Jahre, ganz ohne tägliches Zutun – und eignen sich für Frauen jeden Alters, auch für junge ohne Kinder.

Wie sicher sind die Methoden?

Hormonelle Verhütung gehört zu den sichersten Methoden überhaupt. Am zuverlässigsten sind die, bei denen man nichts vergessen kann: Hormonspirale und Stäbchen schützen über Jahre nahezu lückenlos. Pille, Ring und Pflaster sind bei korrekter Anwendung ebenfalls sehr sicher, reagieren aber empfindlicher auf Anwendungsfehler – eine vergessene Pille fällt mehr ins Gewicht als ein vergessener Ring. Wie viele Frauen mit einer Methode trotzdem schwanger werden, beschreibt der Pearl-Index, den wir im Beratungsgespräch gern mit Ihnen durchgehen.

Mehr als Verhütung – die guten Seiten

Ein grosser Vorzug der hormonellen Verhütung ist, dass viele Methoden gleichzeitig Beschwerden bessern. Diesen Zusatznutzen beziehen wir bewusst in die Wahl ein:

  • Schönere Haut: kombinierte Methoden mit anti-androgenem Gestagen (etwa Drospirenon, Dienogest, Chlormadinon oder Cyproteron) dämpfen die männlichen Hormone und bessern Akne und vermehrte Körperbehaarung – besonders bei PCOS (→ «PCOS»).
  • Weniger Schmerzen: Regelschmerzen lassen nach, und bei Endometriose sind hormonelle Methoden eine tragende Säule der Behandlung (→ «Endometriose»).
  • Verträglichere Blutungen: starke, lange oder unregelmässige Blutungen werden schwächer und regelmässiger, eine Blutarmut bessert sich – die Hormonspirale ist hier oft die wirksamste Hilfe (→ «Zyklus- und Blutungsstörungen»).
  • Ausgeglichenere Tage: prämenstruelle Beschwerden (PMS) können sich deutlich bessern (→ «PMS und PMDS»).
  • Schutz vor Krebs: die kombinierte Pille senkt langanhaltend das Risiko für Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs (Iversen et al. 2017); dazu treten weniger funktionelle Eierstockzysten und gutartige Brustveränderungen auf.

Die Risiken – ehrlich eingeordnet

Thrombose. Nur die kombinierten, östrogenhaltigen Methoden erhöhen das Risiko für ein Blutgerinnsel leicht – die östrogenfreien nicht. In Zahlen: Von 10'000 Frauen, die ein Jahr lang nicht hormonell verhüten, erleiden etwa zwei bis drei eine Thrombose. Unter einer kombinierten Pille mit dem Gestagen Levonorgestrel sind es rund fünf bis sieben, unter Präparaten mit neueren Gestagenen (Desogestrel, Gestoden, Drospirenon) etwa neun bis zwölf (Lidegaard et al. 2011). Zum Einordnen: In der Schwangerschaft und besonders im Wochenbett liegt das Risiko um ein Vielfaches höher als unter jeder Pille. Weil Levonorgestrel am besten abschneidet, wählen wir es oft als Erstes. Am höchsten ist das Risiko im ersten Anwendungsjahr und nach einer längeren Pause. Bei Warnzeichen – einseitig geschwollenes, schmerzendes Bein oder plötzliche Atemnot – melden Sie sich bitte sofort.

Herz-Kreislauf. Schlaganfall und Herzinfarkt sind bei gesunden jungen Frauen sehr selten. Das Risiko steigt aber mit Rauchen über 35, Bluthochdruck und Migräne mit Aura – in diesen Fällen raten wir von östrogenhaltigen Methoden ab und wählen eine östrogenfreie.

Brustkrebs. Hormonelle Verhütung erhöht das Brustkrebsrisiko leicht – um etwa 20 Prozent gegenüber Nichtnutzerinnen, was angesichts des in jungen Jahren ohnehin sehr kleinen Grundrisikos nur sehr wenige zusätzliche Fälle bedeutet. Nach dem Absetzen geht der Unterschied wieder zurück (Mørch et al. 2017). Dem steht der oben genannte Schutz vor Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs gegenüber.

Stimmung und Lust. Manche Frauen bemerken unter hormoneller Verhütung ein Stimmungstief oder weniger sexuelle Lust – andere spüren nichts davon oder fühlen sich sogar besser. Das ist individuell. Wir nehmen solche Veränderungen ernst und wechseln das Präparat oder die Methode, wenn es nicht passt.

Wann Östrogen nicht passt

Vor jeder Verschreibung klären wir, ob eine östrogenhaltige Methode für Sie sicher ist – mit ein paar Fragen zu Vorgeschichte und Familie und einer Blutdruckmessung. Gegen Östrogen sprechen vor allem Migräne mit Aura, Rauchen über 35, eine frühere Thrombose oder bekannte Gerinnungsstörung, ein schlecht eingestellter Bluthochdruck und die ersten Wochen nach der Geburt. In all diesen Fällen gibt es mit den östrogenfreien Methoden gute, sichere Alternativen – niemand bleibt deshalb ohne passende Verhütung.

Häufige Fragen aus dem Alltag

Beeinflussen andere Medikamente die Wirkung? Einige schon – vor allem bestimmte Mittel gegen Epilepsie, das Tuberkulose-Antibiotikum Rifampicin und das pflanzliche Johanniskraut können die Pille schwächen. Gewöhnliche Antibiotika gehören entgegen einem hartnäckigen Gerücht nicht dazu. Sagen Sie uns einfach, welche Medikamente Sie nehmen; die Hormonspirale wirkt übrigens örtlich und ist davon nicht betroffen.

Macht die Pille dick? Für Pille, Ring, Pflaster und die meisten östrogenfreien Methoden ist eine echte Gewichtszunahme wissenschaftlich nicht belegt – die Sorge ist verständlich, aber meist unbegründet. Eine mögliche Ausnahme ist die 3-Monats-Spritze, unter der manche Frauen zunehmen.

Und wenn ich die Pille vergesse? Das ist kein Drama: Nehmen Sie sie nach, sobald es Ihnen auffällt. Ab etwa zwölf Stunden Verspätung kann der Schutz lückenhaft werden – dann zusätzlich Kondome verwenden und im Zweifel bei uns melden. Ähnliches gilt bei starkem Erbrechen oder Durchfall kurz nach der Einnahme. Wie Sie eine Methode richtig beginnen, zeigen wir Ihnen in Ruhe.

Was kostet das?

In der Schweiz ist Verhütung in der Regel Privatsache und wird nicht von der Grundversicherung übernommen. Die Pille kostet je nach Präparat etwa 15 bis 25 Franken im Monat. Hormonspirale und Stäbchen sind in der Anschaffung teurer – einige hundert Franken inklusive Einlage –, über ihre mehrjährige Wirkdauer gerechnet aber oft günstiger als die monatliche Pille. Wir besprechen die Kosten offen mit Ihnen.

Wie wir gemeinsam wählen

Kein Präparat ist für alle das beste. Wir wählen nach Ihrer Lebensphase, Ihrer Gesundheit, dem gewünschten Zusatznutzen und danach, wie viel Sie im Alltag mitdenken möchten. Oft beginnen wir mit der sichersten, nebenwirkungsärmsten Variante und passen an, wenn etwas nicht stimmt. Verhütung ist nichts, was man einmal festlegt und nie wieder anschaut – sie darf mit Ihrem Leben mitwachsen.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –