Häufige hormonelle Störung der Frau

Das polyzystische Ovarsyndrom PCOS ist eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen – und doch fühlen sich viele damit allein. Vorweg deshalb das Wichtigste: PCOS ist nicht Ihre Schuld, es lässt sich gut begleiten, und Sie müssen dafür nicht «perfekt» leben. Auf dieser Seite erklären wir, was dahintersteckt, wie wir es feststellen und welche Wege es gibt – abgestimmt auf das, was Sie gerade beschäftigt.

Was ist PCOS?

PCOS ist kein einzelner Defekt, sondern ein Zusammenspiel: Der Eisprung findet seltener oder unregelmässig statt, der Körper bildet etwas mehr männliche Hormone (Androgene), und oft zeigen die Eierstöcke im Ultraschall viele kleine Eibläschen. Der Name führt dabei in die Irre – es sind keine «Zysten», sondern ganz normale, nur zahlreiche Follikel. Genau deshalb wurde die Erkrankung 2026 international neu benannt: PMOS, polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom – ein Name, der zeigt, dass weit mehr als die Eierstöcke beteiligt sind, nämlich Hormonhaushalt, Stoffwechsel, Haut und Psyche (Lancet-Konsens 2026). Siehe auch die ausführliche Begründung auf unserer Seite Aktuelle Forschung Gynäkologie. Den vertrauten Begriff PCOS verwenden wir hier weiterhin, bis sich der neue Name eingelebt hat. Bemerkbar macht sich die Erkrankung sehr unterschiedlich: an unregelmässigen oder ausbleibenden Blutungen, an Haut und Haaren (Akne, vermehrte Körperbehaarung), am Stoffwechsel, beim Kinderwunsch oder an der Stimmung. Wie stark, ist von Frau zu Frau verschieden – und auch schlanke Frauen können betroffen sein.

Wie wir PCOS feststellen

Für die Diagnose nutzen wir die international anerkannten Rotterdam-Kriterien: PCOS liegt vor, wenn zwei von drei Punkten zutreffen – ein seltener oder fehlender Eisprung, Zeichen vermehrter männlicher Hormone (an Haut und Haaren oder im Blut) und das typische Ultraschallbild (oder ein erhöhter AMH-Wert im Blut). Sind die ersten beiden bereits klar, braucht es den Ultraschall gar nicht (Internationale PCOS-Leitlinie 2023).

Wichtig ist uns, nicht zu früh zu etikettieren: In den ersten Jahren nach der ersten Regel sind viele kleine Eibläschen ganz normal – das Ultraschallbild wird erst etwa acht Jahre nach der ersten Regel aussagekräftig. Bei jüngeren Frauen stellen wir die Diagnose deshalb über den Zyklus und die Androgen-Zeichen, nicht über den Ultraschall. Und wir schliessen andere Ursachen mit ähnlichem Bild aus – etwa eine Schilddrüsen- oder Hormonstörung.

Behandlung in fünf Säulen

PCOS behandeln wir nicht «pauschal», sondern nach Ihren Beschwerden und Zielen. Dafür schauen wir auf fünf Säulen, die wir je nach Situation einzeln oder kombiniert nutzen.

Säule 1 – Basis: Lebensstil und Stoffwechsel. Die Grundlage sind alltagstaugliche, gesunde Gewohnheiten – Bewegung, ausgewogene Ernährung, guter Schlaf. Bei Übergewicht steht ein moderater Gewichtsverlust im Vordergrund: Schon wenige Kilos können Zyklus, Haut und Stoffwechsel spürbar verbessern. Falls Ihnen das Abnehmen schwerfällt – das liegt häufig an der für PCOS typischen Insulinresistenz, die es dem Körper erschwert, und ist keine Frage der Willenskraft. Wir begleiten Sie deshalb in einem Tempo, das zu Ihnen passt: unterstützend, ohne Druck und ohne starres Zielgewicht; und ein gesunder Lebensstil tut gut, auch wenn das Gewicht gleich bleibt. Den Stoffwechsel (Zucker, Blutfette) behalten wir im Blick und besprechen, ob ein Medikament wie Metformin sinnvoll ist (Internationale PCOS-Leitlinie 2023).

Säule 2 – Kinderwunsch oder Verhütung. Hier kommt es ganz auf Ihre Lebensphase an. Die allermeisten Frauen mit PCOS können Kinder bekommen. Bei Kinderwunsch lässt sich der Eisprung gezielt anregen – meist mit Tabletten wie Letrozol, oder mit Injektoren von niedrig dosiertem FSH-Hormon. Ohne aktuellen Kinderwunsch wählen wir eine Verhütung, die zugleich den Zyklus reguliert und die Haut bessern kann.

Säule 3 – Haut und Haare. Akne, vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus) und dünner werdendes Kopfhaar gehen oft auf die etwas höheren Androgene zurück – und sie sind gut behandelbar. Je nach Wunsch kombinieren wir hormonelle Ansätze (zum Beispiel eine kombinierte Pille oder antiandrogene Medikamente) mit kosmetischen Möglichkeiten. Bis sich etwas zeigt, braucht es etwas Geduld, aber es lohnt sich.

Säule 4 – Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Bleibt die Regel über längere Zeit aus, kann sich die Gebärmutterschleimhaut zu stark aufbauen. Damit das nicht zum Problem wird, sorgen wir für regelmässige Blutungen – etwa mit einem Gestagen oder einer Pille (mehr dazu → «Zyklus- und Blutungsstörungen»).

Säule 5 – Begleiterscheinungen mitdenken. PCOS ist mehr als Zyklus und Haut. Wir achten deshalb auch auf häufige Begleiter: nächtliche Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe) sowie auf Stimmung, Ängste und depressive Verstimmungen – nicht um zu beunruhigen, sondern um früh zu helfen, wenn es Sie betrifft (Internationale PCOS-Leitlinie 2023).

Langfristig gut begleitet

PCOS verschwindet meist nicht ganz, aber es lässt sich über die Jahre gut steuern – und vieles bessert sich, sobald die passenden Stellschrauben gefunden sind. Über die Jahre erhöht PCOS das Risiko für einen Typ-2-Diabetes (und in einer Schwangerschaft für einen Schwangerschaftsdiabetes) – kein Grund zur Sorge, aber der Grund, warum wir den Stoffwechsel regelmässig im Blick behalten (Internationale PCOS-Leitlinie 2023). Wir passen den Plan gemeinsam mit Ihnen an, wenn sich Ihre Lebensphase ändert.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –