Wichtig zu erkennen und zu behandeln

Schwangerschaftsdiabetes – auch Gestationsdiabetes genannt – ist eine vorübergehende Form von Diabetes, die in der Schwangerschaft auftritt und nach der Geburt meist wieder verschwindet. Eines vorweg, weil es wichtig ist: Er ist häufig – etwa jede zehnte Schwangere ist betroffen –, er macht meist keine Beschwerden, und er lässt sich gut behandeln. Eine solche Diagnose ist also weder Ihre Schuld noch ein Grund zur Panik. Wir testen routinemässig darauf, damit wir früh handeln und Sie und Ihr Kind gut begleiten können.

Was Gestationsdiabetes ist

In der Schwangerschaft sorgen Hormone dafür, dass das Insulin – das Hormon, das den Blutzucker senkt – schwächer wirkt. Bei manchen Frauen steigt der Blutzucker dadurch über das gesunde Mass. Bleibt er längere Zeit zu hoch, bekommt auch das Kind zu viel Zucker; es kann zu gross werden, was die Geburt erschweren kann, und das Neugeborene kann nach der Geburt einen niedrigen Blutzucker haben. Die gute Nachricht: Ist der Blutzucker gut eingestellt, verlaufen Schwangerschaft und Geburt in aller Regel ganz normal.

Der Zuckerbelastungstest (oGTT)

Zwischen der 24. und 28. Woche bieten wir allen Schwangeren einen Zuckerbelastungstest an (oraler Glukosetoleranztest oGTT). Sie kommen nüchtern; wir messen den Blutzucker, dann trinken Sie eine genau dosierte Zuckerlösung, und wir messen den Wert nach einer und nach zwei Stunden. Schon ein einzelner erhöhter Wert genügt für die Diagnose. Der Test dauert rund zwei Stunden, in denen Sie bei uns bleiben.

Früh-Screening bei Risikofaktoren

Manche Frauen haben ein erhöhtes Risiko – etwa bei Übergewicht, einem Schwangerschaftsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft, Diabetes in der nahen Familie, einem früheren sehr grossen Kind oder einem PCOS. Bei ihnen sollte der Blutzucker bereits früher in der Schwangerschaft getestet werden (SGGG 2023). Ist dieser frühe Test unauffällig, führen wir den üblichen Zuckerbelastungstest in der 24. bis 28. Woche trotzdem durch.

Wenn der Test auffällt – was dann?

Zeigt der Test einen Schwangerschaftsdiabetes, ist das gut in den Griff zu bekommen. Die grosse Mehrheit – rund 80 Prozent – braucht gar keine Medikamente: Mit einer angepassten Ernährung, etwas mehr Bewegung und ein paar Blutzucker-Selbstmessungen pendelt sich der Wert meist gut ein. Nur eine Minderheit benötigt zusätzlich Insulin, das für das Kind sicher ist. Wir begleiten Sie dabei eng, oft zusammen mit einer Ernährungs- oder Diabetesberatung, und behalten das Wachstum des Kindes per Ultraschall im Auge. Ziel ist nicht ein perfekter Wert, sondern eine gesunde Schwangerschaft – und die ist mit guter Einstellung sehr gut erreichbar.

Nach der Geburt

Nach der Geburt verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes meist von selbst. Etwa sechs bis zwölf Wochen danach machen wir noch einmal einen Zuckerbelastungstest, um sicherzugehen, dass sich alles normalisiert hat. Wichtig ist danach die langfristige Nachkontrolle: Wer einen Gestationsdiabetes hatte, trägt später ein erhöhtes Risiko für einen Typ-2-Diabetes. Lassen Sie deshalb Ihren Nüchtern-Blutzucker am besten einmal im Jahr bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt überprüfen – so würde ein Diabetes früh erkannt. Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung und ausgewogener Ernährung senkt das Risiko zusätzlich deutlich. Und falls Sie wieder schwanger werden: Wer einmal einen Gestationsdiabetes hatte, hat in einer nächsten Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko – darum führen wir dann gleich zu Beginn das Früh-Screening durch.

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Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –