Die seelische Seite des Kinderwunsches

Die seelische Seite des Kinderwunsches

Die allerwenigsten Paare machen etwas falsch.
«Was machen wir falsch? Wieso ausgerechnet wir? Liegt es an unserer Lebensführung?» Diese Fragen kennen fast alle Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Sie sind quälend – und in den allermeisten Fällen unbegründet.
Die Wahrheit ist: Die allerwenigsten Paare machen etwas falsch.
Es hält sich hartnäckig die Vorstellung, psychischer Druck sei schuld am ausbleibenden Kind – «Entspann dich doch einfach, dann klappt es». Dieser Satz ist nicht nur wenig hilfreich, er ist auch sachlich fragwürdig.
Der psychische Stress ist in aller Regel die Folge des unerfüllten Kinderwunsches, nicht seine Ursache.
Die Studienlage dazu ist uneinheitlich. Es gibt Hinweise, dass länger anhaltende, starke Belastung die Zeit bis zur Schwangerschaft etwas verlängern kann – aber wenn überhaupt ein Effekt besteht, dann ein kleiner, und dieser erklärt sich meist durch selteneren Geschlechtsverkehr und unregelmässigere Zyklen (Wesselink et al. 2018). So wird das fruchtbare Fenster schwerer getroffen. Auf diese Weise lässt sich auch ansetzen – mehr dazu in unserem Artikel «Die Chancen natürlich verbessern».
Was hingegen gut belegt ist: Der unerfüllte Kinderwunsch und seine Behandlung verursachen erhebliche seelische Belastung (Boivin et al. 2022).
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie eine Last von Ihren Schultern nimmt: Sie haben sich den Kinderwunsch nicht durch «falsches» Fühlen verbaut.
Der seelische Druck kommt selten aus dem Paar selbst – er kommt von aussen. Von Eltern und Schwiegereltern, die auf Enkel hoffen. Von Kolleginnen und Freunden, die mit wenig einfühlsamen Fragen Öl ins Feuer giessen. Und von den eigenen Schuldgefühlen.
Ein wirksamer Schutz ist eine bewusste Informationssperre: Sie müssen Ihrem Umfeld keine Rechenschaft ablegen. Teilen Sie Ihre Gefühle dort, wo sie aufgehoben sind – mit Ihrem Partner, mit uns oder mit den von uns empfohlenen Fachpersonen.
Abklärung und Behandlung können eine Beziehung belasten. Umso wichtiger ist es, die Partnerschaft gerade in dieser Zeit zu pflegen. Männer und Frauen verarbeiten den unerfüllten Kinderwunsch oft unterschiedlich – das ist normal und kein Zeichen, dass etwas mit Ihrer Beziehung nicht stimmt.
Sprechen Sie miteinander offen über die Situation. Und wenn es schwerfällt, helfen wir, dass Sie gemeinsam die richtige Unterstützung finden.
Beruflicher Stress lässt sich heute nicht immer vermeiden. Eine berufliche Veränderung kann sinnvoll sein, wenn die Arbeit nur noch zehrt – anders als der positive Stress einer erfüllenden Tätigkeit.
Wovon wir aber abraten: den Beruf ganz aufzugeben, nur um endlich schwanger zu werden. Bleibt der Erfolg dann aus, verliert man zwei Dinge auf einmal. Eine erfüllende Arbeit ist in dieser Zeit oft eher Halt als Hindernis.
Befragungen betroffener Frauen zeigen immer wieder: Die grösste Belastung kommt nicht von der Behandlung selbst, sondern vom Warten und vom Misserfolg – von der wiederkehrenden Enttäuschung, wenn die Menstruation doch wieder einsetzt (Boivin et al. 2022).
Wir nehmen diese Belastung ernst. Und wir versprechen Ihnen: Unser Ziel ist keine Schwangerschaft um jeden Preis. Wir akzeptieren Ihre Wünsche und Ihre Grenzen und unterstützen Sie dabei, Ihren eigenen Weg zu finden.
Manchmal hilft professionelle Begleitung. Psychologische Unterstützung kann Ängste und depressive Verstimmungen deutlich lindern und hilft, die Belastung besser zu tragen (Jackson et al. 2025). Wir arbeiten mit erfahrenen Fachpersonen aus Psychologie und Psychiatrie zusammen, die schon viele Kinderwunschpaare begleitet haben. Die Adressen erhalten Sie jederzeit von uns – fragen Sie einfach.

Termin vereinbaren
Treten Sie mit uns in Kontakt. Wir helfen Ihnen gerne persönlich weiter.
Weitere Beiträge
zu diesem Thema
Keine Beiträge gefunden.
Medizinischer Inhalt geprüft durch Dr. med. Michael Singer –